Zusammenfassung

Neben einer Übersetzung der im Titel angegebenen Passage, begründet durch ein analytisches Wörterverzeichnis, untersucht der Kommentar inhaltliche und grammatikalische Besonderheiten des Textes und versucht eine Übersetzung der auftretenden Eigennamen zu geben. Für die inhaltliche Bearbeitung wurden exemplarisch eine Erzählanalyse und eine Untersuchung der Couplet-Strukturen durchgeführt. Mit einer Interpretation der Passage im Hinblick auf Nagualismus schließt die Arbeit.

 

Hinweis

Das Wörterverzeichnis ist mit einer Sortierfunktion ausgestattet. Die Spalten "Originale Orthographie", "Moderne Orthographie" und "Übersetzung" können nach dem lateinischen (!) Alphabet auf- und absteigend sortiert werden. Klicken Sie dazu mit der Maus in die Bezeichnung einer Spalte, so daß sich der Cursor verändert. Bitte beachten Sie, daß die trennenden Kopfzeilen mit den Graphemen auf das K'ichee'-Alphabet der originalen Orthographie angepaßt sind, und nicht notwendigerweise den Beginn eines neuen Buchstabens in der modernen Orthographie oder der deutschen Übersetzung anzeigen müssen.

 

FUSSNOTEN

(1) Im Text des Poopol Wuuj finden sich einige wenige Schreibungen mit xbalamque.
(2) Gemäß der Syntax des K’ichee’ stehen Partikeln vor ihrem Bezugswort.
(3) Auf f. 24 l in Zeile 10 taucht statt quicxic der Name calaxic auf. Aufgrund der großen Anzahl von Möglichkeiten soll nicht weiter auf eine Deutung eingegangen werden, es erscheint aber am wahrscheinlichsten, daß es sich um alaxic „birth, fate, idol, nagual, importance, relative“ (Edmonson 1965: 7), flektiert mit dem 1pErg oder 3pErg handelt.
(4) Die Auszüge aus der Übersetzung von Ximénez, die hier und im folgenden wiedergegeben werden, beruhen auf der Transkription des Originaltextes in der Faksimile-Edition von Estrada Monroy (1973). Da im dortigen Text keine Akzente gesetzt sind, soll dieser Mangel auch hier im Rahmen einer textgetreuen Wiedergabe nicht behoben werden.
(5) Vgl. hierzu auch poyizah – „change appearance, mutate“ (Edmonson 1965: 92).
(6) Ximénez übersetzt wie folgt: „...mordio al terzero, q[ue] era: hun came, y dixo aqui, que xan ? (nicht eindeutig bestimmbar). dixo que fue picado. q[ue] es eso hun came, le dixo el quarto q[ue] estaba, en todo, quien de mordio? ...“
(7) Zur Möglichkeit, daß die Mücke ein alter ego darstellt und zum way-Konzept siehe die Interpretation in Kapitel 3.3.2.
(8) Edmonson (1965: 119) gibt für „Verführer“ taq-chinel ch e mak an.
(9) Auch hier wird mit vvach wieder ein pluralischer gebrauchter Begriff mit dem 3sErg flek-tiert, vgl. dazu Anmerkung Q-(1).
(10) Bei der Unterbrechung handelt es sich um den kleinen Einschub mit den wahrzeigenden Rohren, welche die Zwillinge im Hause ihrer Großmutter pflanzen (Schultze Jena 1944: 71).
(11) Zu den Couplet-Strukturen und parallelen Konstruktionen vgl. Kapitel 3.2.3.
(12) Den Zwillingen wird geheißen, sich auf eine Bank zu setzen. Die aber wird von ihnen als glühender Stein entlarvt (Schultze Jena 1944: 75).
(13) Auch dieser neue Handlungsstrang wird durch cate eingeleitet, bleibt aber trotzdem durch die Partikelfolge cut und ta mit dem zuvor gesagten verbunden und bestätigt erneut die dadurch angezeigte zeitliche Kontinuität.
(14) Bei den kleineren Einheiten innerhalb eines Satzes kann es sich sowohl um Nominal- als auch um Verbalphrasen handeln.
(15) Die Begriffe können auch mehr als ein Wort umfassen und in einigen Fällen auch als lexikalisierte Metaphern oder idiomatische Wendungen beinhalten. Auch können pars pro toto-Begriffe auftreten.
(16) Das erste Beispiel ist in dieser Hinsicht problematisch, weil die Vorstellungen über Xibalba unklar sind. Der Verweis auf die Klippen kann durchaus ein direkter Bezug auf die Unterwelt selbst sein und nicht nur ein topographisches Detail darstellen.
(17) Abschnitt E zählt in engerem Sinn nicht hierzu, da die Xibalbaner als sekundäres Diskurstopik hier erst etabliert werden und sich noch einige Unregelmäßigkeiten zeigen, mit Abschnitt P ist Aufzählung zu Ende und es kommen somit einige wesentliche Elemente nicht mehr vor.
(18) Für eine zusammenfassende Darstellung siehe Houston & Stuart 1989.
(19) tona-lli (mit Possessiv) – „das Zeichen, in dem Jemand geboren wird, die Seele, der Geist, ...“ und nahual-li – „Hexe“ (Buschmann & Humboldt 2000: 478, 285)
(20) Für eine Zusammenstellung verschiedener Wörterbucheinträge unterschiedlicher Maya-Sprachen siehe Houston & Stuart (1989: 5).
(21) Tatsächlich werden zur Bezeichnung eines way im Sinne des yukatekischen Wortes im K’ichee’ andere Ausdrücke verwendet, wie alaxic (Edmonson 1965: 7), vgl. Fußnote 3.
(22) Aufgrund seiner Verwendung im epigraphischen Bereich und seiner Verbindung zur Ikonographie soll yukatekische Bezeichnung im Rahmen dieser Diskussion weiter benutzt werden
(23) Ein viel zitiertes Beispiel für den Zusammenhang zwischen dem Poopol Wuuj und Darstellungen auf Keramiken ist die Opferung Hunahpus als Schauspiel für die Xibalbaner (Schultze Jena 1944: 95), vgl. hierzu u.a. K521, K1003, K1152, K1199, K1644, K1815, K2207, K2208, K3201, K4056 und K4486 (siehe auch Lounsbury 1980: Fig. 6, S. 53f.). Auffällig ist nur, daß der GIII „Baby Jaguar“ (Schele & Miller 1986: 51), die klassische Form von Xbalanque, geopfert wird, da der Text des Poopol Wuuj Hunahpu als das Opfer beschreibt.
(24) Besitzer ist in diesem Zusammenhang ein diffuser Begriff, da oftmals Toponyme (vgl. Calvin 1997) oder, wie oftmals die reine Angabe von (k’uhul) ahaw zeigt, ganze Lineages Besitzer sein können.
(25) Die Identifizierung als Mücke beruht auf dem, anders als bei Fliegen, langgezogenen Hinterkörper. Das Fehlen des Stechwerkzeuges, wie es in Abbildung 1 deutlich dargestellt ist, muß dabei nicht stören: wie die Verwendung von „Beißen“ im vorliegenden Text zeigt, schien es für die Maya unwesentlich zu sein, welcher Körperteil Blut saugt.

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Institut für Altamerikanistik und Ethnologie


Sven Gronemeyer

Das Poopol Wuuj
"Der Weg nach Xibalba und die Stechmücke als Kundschafter"
Kommentar und Übersetzung

Hausarbeit im Rahmen des Hauptseminars "Lektüre von K'ichee'-Texten"
unter der Leitung von Frauke Sachse, M.A. im Wintersemester 2000/2001

Bonn, im März 2001


 

INHALTSVERZEICHNIS

"...damit also werden wir uns befassen: wie
Das, was verborgen war, offensichtlich,
enthüllt und kundgegeben wurde..."

Schultze Jena 1944: 3

1. EINLEITUNG
    1.1 Bemerkungen zur Methodik
        1.1.1 Zum Text
        1.1.2 Zum Kommentar

2. DIE TEXTPASSAGE
    2.1 Einleitung
        2.1.1 Die Orthographie des Poopol Wuuj
        2.1.2 Bemerkungen zur Transkription
        2.1.3 Die Textstelle
    2.2 Der dreisprachige Text

3. KOMMENTAR
    3.1 Zur Bedeutung der Namen
        3.1.1 Die Heldenzwillinge
        3.1.2 Die Herren der Unterwelt
        3.1.3 Die Toponyme
    3.2 Formale Analyse des Textes
        3.2.1 Anmerkungen zu Text und Übersetzung
        3.2.2 Erzählanalyse
        3.2.3 Couplet-Strukturen
    3.3 Interpretation der Passage
        3.3.1 Allgemeine Interpretation
        3.3.2 Die Stechmücke als alter ego

4. ANALYTISCHES WÖRTERVERZEICHNIS
    4.1 Abkürzungen
    4.2.Wörterverzeichnis

5. LITERATURVERZEICHNIS


1. EINLEITUNG

Die hier vorliegende Arbeit präsentiert eine Textpassage des kolonialzeitlichen Popol Vuh (Poopol Wuuj in der modernen Orthographie), die Leonhard Schultze Jena (1944) in seiner Textedition mit dem Titel "Der Weg nach Xibalba und die Stechmücke als Kundschafter" überschrieben hat. Die Präsentation ist begleitet von einer Übersetzung, der ein Kommentar und eine Abhandlung inhaltlicher Aspekte folgen.

1.1 Bemerkungen zur Methodik

1.1.1 Zum Text

Zur Einleitung sollen vor der Bearbeitung der Textstelle einige grundsätzliche Bemerkungen zur Methodik und Arbeitsweise fallen. Sie sollen helfen, die gemachten Schritte transparent und nachvollziehbar zu gestalten.

Die Grundlage der hier vorliegenden Textstelle bildet die Faksimile-Edition von Augustin Estrada Monroy (1973). Hinsichtlich der Zuweisung von Wortgrenzen und die Verwendung der Interpunktion wurde das Originalmanuskript herangezogen. Aufgrund einer besseren Verwendbarkeit wird jedoch für den ursprünglichen Text die Orthographie nach Schultze Jena (1944) verwendet (siehe auch Tabelle 1). Problematisch ist die handschriftliche Wiedergabe des Textes durch Ximénez, die sehr variabel mit den Zeichenabständen umgeht und es teilweise schwierig macht, Wortgrenzen eindeutig zuzuweisen. Hinsichtlich dieser paläographisch strittigen Fälle wird der Einfachheit halber in einzelne (flektierte) Lexeme aufgeteilt.

Die Edition der Textstelle erfolgt auf drei Arten: Zuerst wird die Textstelle in der kolonialzeitlichen Orthographie wiedergegeben, in der Art und Weise wie oben beschrieben. Dabei wird die Zeilenfolge des handschriftlichen Textes, durch Nummern am linken Rand angezeigt, beibehalten, ein spezielles Trennungszeichen (=) ersetzt den üblichen Bindestrich, der hier verwendet wird um Komposita zu bilden. An dieser Stelle ist auch in eckigen Klammern die Paginierung des Manuskripts eingefügt. Nach der Transkription erfolgt eine Übertragung in die moderne Schreibweise (vgl. Kapitel 2.1.2) unter Beibehaltung der klassischen Sprache, um eine bessere Vergleichbarkeit der Wörter mit dem heutigen K’ichee’ zu ermöglichen. Da das Manuskript hinsichtlich der Zuweisung von Wortgrenzen und der Interpunktion inkonsistent ist, erfolgt an dieser Stelle auch die Veränderung von Wortgrenzen gegenüber dem Originaltext, entsprechend der Morphosyntax des K’ichee’. Ebenso wird eine sinnvolle Interpunktion gesetzt. Die Zeilenfolge des Manuskripts bleibt erhalten. Schließlich folgt die Übersetzung ins Deutsche, vgl. hierzu auch Kapitel 2.1.3. Es wird auch hier versucht, soweit es die deutsche Wortstellung zuläßt, die Zeilenfolge der Handschrift beizubehalten.

Eigennamen werden in der alten Orthographie belassen, da es sich um feststehende Ausdrücke handelt und die Bedeutung der Namen nicht immer erkenntlich ist. Sie werden somit auch nicht übersetzt. Kommentare und Interpretationsmöglichkeiten werden in Kapitel 3.1 gegeben. Eine Ausnahme bilden die Namen der beiden Flüsse in Abschnitt B des Textes, deren Bedeutung leicht zu ermitteln war und die der Verständlichkeit der Übersetzung förderlich sind. Ebenso wird Xibalba unverändert übernommen, da dieser Ausdruck auch im modernen K’ichee’ noch für die Unterwelt gebraucht wird, zu den Toponymen vgl. auch Kapitel 3.1.3.

Um in der deutschen Übersetzung soweit wie möglich die Originalstruktur des K’ichee’-Textes wiederzugeben, orientiert sie sich nach Möglichkeit an den gegebenen syntaktischen Vorlagen. Es wird auch versucht, der großen Fülle von Partikeln, die den Text durchziehen, in der Übersetzung gerecht zu werden. Weiterhin wird versucht, Komposita anhand der Grundbedeutungen ihrer Bestandteile zu übersetzen. Dies geschieht, um einen besseren Einblick in die semantischen Strukturen des Textes zu geben und die Vorstellungen die sich dahinter verbergen, klarer darzustellen. Sofern die wörtliche Übersetzung nicht mehr auf die neue Bedeutung schließen läßt, wird natürlich die des Kompositums verwendet, so würde u chikopil horon (Edmonson 1965: 27) weiterhin als "water worm" übersetzt, da bei einer wörtlichen Übersetzung "Tiere des Wassers" der Bezug zum Wurm fehlen würde. Der Kommentar in Kapitel 3.2 geht näher auf solche Details ein.

Um dem Leser die hier vorgeschlagene Übersetzung nachvollziehbar zu gestalten, findet sich in Kapitel 4 ein analytisches Wörterverzeichnis mit allen Wörtern, wie sie im Text vorkommen. Da der Originaltext, wie oben bereits erwähnt, bezüglich der Wortzuweisung nicht immer konsequent ist, können durchaus mehrere einzelne Morpheme einen Eintrag und somit ein Wort bilden. Da auch viele Partikeln im K’ichee’ aus mehreren Wörtern bestehen, gilt für diese gleiches. Da zusammengehörige Morpheme des Originaltextes nicht markiert werden, empfiehlt sich in der Textstelle ein Blick in die zweite Zeile mit den Korrekturen, um daran den Eintrag in der Wörterliste aufzufinden. In Spalte 2 findet sich die Übertragung in die moderne Orthographie, verbunden mit einer morphologischen Aufgliederung, die in Spalte 3 parallel erläutert wird. Zerfällt ein Wort (hier in der Bedeutung einer Zeichenfolge abgegrenzt durch zwei Spatien) in mehrere Lexeme, erfolgt in diesen Spalten die entsprechende Aufgliederung, die Übersetzung der separaten Einheiten erfolgt in gesonderten Einträgen. Kapitel 4.1 gibt eine Übersicht über die dort verwendeten Abkürzungen. Spalte 4 liefert die deutsche Übersetzung entsprechend der im Text vorkommenden Form. – Hier wurde eine Vergleich zwischen verschiedenen Wörterbüchern vorgenommen, die einmal die kolonialzeitliche Form aufzeigen, als auch moderne Lexika, die zum semantischen Vergleich und bei der Anpassung der Vokallängen und der Glottalverschlüsse herangezogen wurden. Findet sich in mindestens zwei Wörterbüchern eine übereinstimmende Bedeutung, so wird diese als gegeben angesehen. Bei singulären Vorkommen wird zur besseren Überprüfbarkeit der Übersetzung die Quelle mit angegeben.

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1.1.2 Zum Kommentar

Der Kommentar der vorliegenden Textpassage hat zwei Hauptziele: Erstens eine formale Analyse des Textes mit Anmerkungen zum Text und zur Übersetzung (dem als besonderer Abriß ein Kapitel zur Bedeutung der auftretenden Eigennamen vorausgeht), eine Erzählanalyse, sowie eine Untersuchung der auftretenden Couplets. Mit Ausnahme der Anmerkungen kann hier nur eine Auswahl an Punkten erfolgen, ein umfassender Überblick wie die Arbeit von Michael Dürr (1987) würde den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen. – Weiterführende Überblicke über das jeweilige Thema und Literaturverweise werden in den Einführungen in den jeweiligen Kapiteln gegeben.

Die Anmerkungen dienen vor allem dazu, andere Übersetzungsmöglichkeiten darzustellen und im Gegensatz zu der gewählten zu diskutieren. Ebenso werden an dieser Stelle Schwierigkeiten bei der Transkription, grammatikalische Auffälligkeiten und Besonderheiten im semantischen Feld, teilweise mit Interpretation, eines Wortes behandelt. In Verbindung mit einer Wiedergabe des Originaltextes, versucht sich diese Ausarbeitung dadurch deutlich von anderen Editionen abzuheben, die häufig nur eine Übersetzung bieten, die den kritischen Leser ohne Anhaltspunkte für eine Überprüfung zurückläßt.

Die Erzählanalyse sei exemplarisch für eine Reihe von pragmatischen Untersuchungsmöglichkeiten herausgegriffen. Sie soll dazu dienen, die Textpassage inhaltlich zu gliedern. Dabei soll nicht nur Rücksicht auf die interne Struktur, ihre Abfolge und Vernetzung, Rücksicht genommen werden, sondern die Passage auch in den umgebenden narrativen Kontext gestellt werden und wie sie sich dort einfügt. Da bestimmte Partikeln im K’ichee’ die Handlung strukturierende Funktion haben, soll im Rahmen der Erzählanalyse die Möglichkeit ergriffen werden, die Partikeln in ihrer allgemeinen Funktion ein wenig zu charakterisieren und auf welche Art sie in der vorliegenden Passage verwendet werden. – Da auf eine Untersuchung der thematischen Kohärenz als eigenes Kapitel aus Platzgründen verzichtet wird, soll zumindest versucht werden, einzelne Aspekte dieses Komplexes dort unterzubringen, wo sich die Möglichkeit bietet.

Im nachfolgenden Kapitel soll das Auftauchen und die Verteilung von Couplet-Strukturen als Form der textuellen Redundanz beschrieben werden. Da die Quantität von derartigen Konstruktionen ein Urteil über die Formalisierung und somit über den Diskurstyp des Textes erlaubt, soll eine Beschreibung von Couplets der Charakterisierung der Passage dienen, wobei die wörtlichen Reden als Untergruppe noch einmal gesondert vorgestellt werden. Ebenso wird Redundanz verwendet, um eine Emphase auf als wichtig erachtete Sachverhalte zu legen.

Zweitens sollen inhaltliche Aspekte in einer Interpretation der Passage diskutiert werden. Dies gestaltet sich insofern schwierig, da das Poopol Wuuj vor allem vom mythologischen Inhalt her zeitlich und räumlich eine singuläre Quelle bildet. Aus diesem Grund soll bei der inhaltlichen Analyse nach Möglichkeit aus dem Text selbst argumentiert werden. Auch wenn diese Methode nicht besonders ergiebig ist, bietet sie doch ein klareres, im Sinne der Quelle emisches Bild, welches nicht durch Einflüsse durch außen verzerrt wird, wie etwa die Versuche, Aspekte der klassischen Maya-Kultur im Poopol Wuuj zu finden. Lassen sich aber bestimmte Phänomene des Textes im gesamten Maya-Gebiet durch die Zeit hinweg nachweisen, wie etwa das Konzept des alterego (siehe dazu Kapitel 3.3.2), wird auch auf andere Quellen und Quellengattungen eingegangen um die Interpretation zu begleiten und zu untermauern.

Hinsichtlich der Identifizierung von Charakteren und motivischen Zusammenhängen auf klassischen Maya-Keramiken im Rahmen der Diskussion über das alter ego wurde die Internetdatenbank von Justin Kerr (2001) in vier Durchgängen mit vorprogrammierten Optionen durchsucht. Erstens wurde eine kombinierte Suche nach den ikonographischen Elementen der Heldenzwillinge, den Totengöttern A und A’ und Insekten durchgeführt, zweitens und drittens nach Insekten in Kombination mit den Zwillingen oder den Totengöttern und viertens nur nach Insekten. Durch dieses Verfahren sollte ein Raster erstellt werden, um der narrativen Komplexität von Darstellungen Rechnung zu tragen.

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2. DIE TEXTPASSAGE

2.1 Einleitung

2.1.1 Die Orthographie des Poopol Wuuj

Wie vor allem an der Verwendung der Grapheme <qu> und <c> zu erkennen ist, lehnt sich die Orthographie des Poopol Wuuj an die zeitgenössische spanische Orthographie an (für eine eingehende Diskussion vgl. Dürr 1987: 39 f.). Es finden sich aber auch einige Zeichen, die im Spanischen nicht oder in anderer Benutzung vorkommen und spezielle Phoneme des K’ichee’ repräsentieren, insbesondere bei glottalisierten Lauten. Wie sich zeigt unterliegt auch die Benutzung der Grapheme zur Kennzeichnung der Laute einer gewissen Varianz, besonders deutlich wird dies bei der Verwendung von <u> und <v> für /u/ und /w/ oder <qu> sowohl für /k/, /q/, /k’/ als auch /q’/ (vgl. Dürr 1987: 44 f.).

Zur Orthographie des Popol Vuh läßt sich die folgende Tabelle erstellen. Sie ist auch die Schreibart des hier vorliegenden Textauszuges. Um eine Konkordanz zum modernen K’ichee’ zu ermöglichen, ist in der zweiten Spalte die seit 1987 gültige Orthographie wiedergegeben:

Graphem Poopol Wuuj Graphem neue Orthographie Phonem
unbezeichnet /?/
a a, aa /a/, /a:/
b b’ /b’/
ch ch /tš/
gh, ch ch’ /tš’/
e e, ee /e/, /e:/
i, y, j i, ii /i/, /i:/
h, i j /x/
qu/_{i, e}, ansonsten c k /k/
g, qu, c k’ /k’/
l l /l/
m m /m/
n n /n/
o o, oo /o/, /o:/
p p /p/
qu, c, einmal k q /q/
e, qu, c q’ /q’/
r r /r/
z, ç, tz  s /s/
t t, t’ /t/, /t’/
tz, z tz /¢/
g¸, tz, z tz’ /¢’/
u, v u, uu /u/, /u:/
v, u, uh w /w/
x x /š/
y, i y /y/

Tabelle 1: Die Orthographie des Poopol Wuuj im Vergleich zur modernen und die zugehörige Phoneme. Nach Dürr 1987: 39.

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2.1.2 Bemerkungen zur Transkription

Da es sehr schwierig ist, bei einem alten Manuskript wie dem Poopol Wuuj alle Wörter in die moderne Orthographie zu übertragen und zu übersetzen, wird es immer Wörter geben, die nicht vollständig oder mit letzter Gewißheit übertragen werden können. Häufig sind hiervon die Vokallängen und das Auftreten von Glottalverschlüssen betroffen, die in den Wörterlisten und -büchern zur kolonialzeitlichen Sprache bzw. der Kolonialzeit selbst nur in sehr seltenen Fällen wiedergegeben sind.

Im Zweifelsfall wird immer von einem kurzen bzw. nicht-glottalisierten Vokal ausgegangen. Hinsichtlich der Glottalisierung von Konsonanten ist eine Entscheidung leichter zu fällen, da sie in wesentlich stärkerem Ausmaß zur Bedeutungsunterscheidung von Wörtern beitragen als die Quantität von Vokalen. Bei solchen Fällen kann bezüglich der Übersetzung häufig schon eine Entscheidung aus dem Kontext heraus fällen, und so werden lediglich nahe beieinander liegende Bedeutungen zur Diskussion gestellt. Fragliche Wörter sind nicht gesondert markiert. Zur Behandlung der Namen siehe Kapitel 1.1.1.

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2.1.3 Die Textstelle

Vorliegende Textstelle (Schultze Jena 1944: 73-75) beschreibt die Wanderung von Hunahpu und Xbalanque nach Xibalba, als sie der Einladung der Unterweltsfürsten Folge leisten, sich mit ihnen im Ballspiel zu messen und wie sie an die Namen der Fürsten gelangen. Die Gliederung der Passage und die Inhaltstypen werden im Kommentar unter Kapitel 3.2.2 im Rahmen einer Erzählanalyse näher beschrieben. – Die Bearbeitung der Textstelle erfolgt nach Sinnabschnitten, bezeichnet durch Buchstaben. Die Nummern im Originaltext nehmen Bezug auf die Anmerkungen in Kapitel 3.2.1. Bei der Übersetzung wurden zur Konsultation vor allem die Editionen von Schultze Jena (1944), Ximénez (in der Faksimile-Edition von Estrada Monroy 1973) und Tedlock (1983) verwendet.

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2.2 Der dreisprachige Text

A

27
28
29
30
31
32
33
[... 23 l] ta xebe cut hu=
hun chi vvb chique (1

A-(1) huhun chi vvb chique – "einer nach dem anderen ist mit seinem Blasrohr"

Der mit dem 3pErg gebildete unabhängige Possessiv läßt zwei Schlüsse zu: entweder soll mit dem Plural angezeigt werden, daß die Heldenzwillinge zu zweit sind oder aber das sie mehrere Blasrohre mit sich führen. – Die Mehrdeutigkeit von huhun und chique läßt noch eine andere Übersetzungsmöglichkeit zu: "einzeln ist ihnen da das Blasrohr". Hier wird chique als Dativ ausgelegt und zeigt an, daß sie außer ihren Blasrohren nichts weiter mit sich führen. Diese grammatikalisch theoretisch gegebene Möglichkeit scheidet aber aus, da im vorangehenden und folgenden Text gesagt wird, daß sie ihr Ballspielgerät mitführen.

) xecahchi
xibalba libah chi xecah chua
cumuc xeicou. chivicut chupan (2

A-(2) chivicut chupan halha zivan – "wo dort im Innern eine sich teilende Flußschlucht ist"

Es wird nicht konkret gesagt, welches Innere gemeint ist, mit Sicherheit ist aber Xibalba gemeint. In bezug auf die zuvor erwähnten Klippen ist es wahrscheinlich, daß "am Fuße der Klippen" mit der Formulierung chupan wiedergegeben ist.

)
halha zivan xachuxol (3

A-(3) (xa)chuxol g¸iquin – "zwischen Vögeln"

Die Präposition ist mit dem 3sErg flektiert, obwohl das Bezugswort molai pluralisch gebraucht wird. Hier zeigt sich das auch in anderen Maya-Sprachen verbreitete Konzept, daß zahlreiche Einzelelemente eine als Singular verstandene Menge bilden.

) g¸iquin
xeicou vi are ri g¸iquin molai (4

A-(4) molai – "Vogelversammler"

Edmonson (1965: 73) gibt molay als Bezeichnung einer Vogelart an. Morphologisch handelt es sich um den Agentiv der transitiven Verbwurzel -mol "versammeln". Frauke Sachse (pers. Mitteilung, 2000) ist der Meinung, daß dieser Vogel z.B. durch lautes Rufen die Eigenschaft besitzt, andere Vögel zusammenfinden zu lassen. Tedlock (1983: 134) übersetzt meines Erachtens nach unzutreffenderweise mit "throng birds" als allgemeines Substantiv, dessen Derivationssuffix -V’y aber nur an positionale oder affektive Wurzeln angefügt werden kann.

)
quibi
Ta xeb’ee k’ut, ju=
juun chi wub chike’. Xeqaj chi
Xibalba, libaj chi xeqaj chuwa
kumuk. Xe’iq’ow, chiwi k’ut chupan
ja’l ja’-siwaan; xaa chuxo’l tz’ikin
xe’iq’ow wi, are’ ri tz’ikin molay
kib’i’.
  Da gingen sie also, einer nach dem anderen ist
mit seinem Blasrohr. Sie stiegen hinab nach
Xibalba, sofort schon stiegen sie hinab gegenüber
den Felsenklippen. Sie kamen vorbei, wo dort im Innern 
eine sich teilende Flußschlucht ist; nur zwischen Vögeln
gingen sie vorbei, der "Vogelversammler" ist
ihr Name.

[Zum analytischen Wörterverzeichnis]

B

33
34
35
36
xeicou chicut pa puhia
pa quiquia chacbal (1

B-(1) chacbal – "Ort der Niederlage"

Wie die Einträge in den Wörterbüchern zeigen (vgl. Edmonson 1965: 20), liegen der transitiven Wurzel ch’ak zahlreiche Bedeutungen zugrunde und deren Semantik sowohl "siegen, gewinnen" als auch "besiegen, unterwerfen" beinhaltet. Hier scheint ein dualistisches Konzept vorzuliegen, welches beide semantischen Dimensionen in einem Wort vereinigt, nämlich das des einen Sieg des anderen Unterwerfung ist. Der hier gebildete Lokativ/Instrumental ist aber als "Ort der Niederlage" zu übersetzen, da an den beiden Flüssen die Zwillinge getötet werden sollten. Ximénez übersetzt ( 4) mit "y estos rios eran para q[ue] fueron vencidos" (Estrada Monroy 1973: f. 23 l). – Eine andere Möglichkeit der Herleitung wäre chaq’ih (Edmonson 1965: 25), was "stolpern, straucheln, einen Fehltritt machen" bedeutet, und der "Ort des Strauchelns" damit eine metaphorische, beinahe euphemistische Umschreibung ihres Schicksals ist.

) ta que, chi=
qui gux xibalba (2

B-(2) chiqui gux xibalba – "wo das Herz von Xibalba ist"

Hier, wie auch bei anderen Vorkommen von "Xibalba" zeigt sich deutlich, daß das Wort ein pluralisch gebrauchter Begriff ist, da gux mit dem 3pErg flektiert ist. – Mit dem "Herz von Xibalba" könnte das Innerste gemeint sein, so wie in der Formulierung "im Herzen von...". – Da k’u’x nicht nur "Herz" sondern auch "Gewissen, Gefühl, Seele, Bewußtsein" heißt, ist es auch möglich, daß hier "aus dem Gewissen von Xibalba" gemeint sein kann, d.h. nach dem Gewissen der Xibalbaner. Ximénez übersetzt in die gleiche Richtung (Estrada Monroy 1973: f. 23 l): "como pensaban los de el infierno". Eine parallele Konstruktion findet sich auch in einem modernen kwento: pa uk’u’x für "in seinem Gefühl" (Weißhaar & Hostnig 1995: 47). Das Toponym Xibalba wäre dann als Gentilicio zu gebrauchen, ein Umstand der auch an anderer Stelle im Text auftritt (vgl. Abschnitt R, Zeile 10).

) mavi xqui=
yicou (3

B-(3) ma vi xquiyicou xa chi rih vvb xeicou vi – "aber dennoch waren sie es, die ihn durchschritten, nur auf dem Rücken der Blasrohre setzten sie über"

Das Wort xquiyicou stellt sich als äußert problematisch dar. Das Suffix -ou zeigt, daß es sich bei der Form offensichtlich um das Antipassiv eines VTR handelt. Da sich kein Absolutivpronomen erkennen läßt, wäre die transitive Wortwurzel *quiyic. Allerdings finden sich in den Wörterbüchern hierfür keine Einträge. Schultze Jena tut <iy> als euphonische Schreibweise ab und nimmt iq’o (vgl. Edmonson 1965: 47) als Wortwurzel an. Damit würde aber ein VIT mit dem 3pErg flektiert sein. Eine andere Möglichkeit wäre yikowik (PLFM 1996: 517) "moverse la tierra por temblores" (vgl. Edmonson 1965: 154 mit yikoh als "shake"). Damit könnte gemeint sein, daß die Zwillinge trotz des Schwankens der Blasrohre das Wasser überquerten. Aber auch hier wäre wieder ein VIT mit dem 3pErg flektiert, außerdem würde yikoh das Antipassiv mit -n bilden. Letzten Endes kann man xquiyicou nicht sicher übersetzen, die beste Möglichkeit ist aber immer noch die Prämisse von Schultze Jena, weil damit wenigstens ein Couplet gebildet wird. Die Übersetzung von Ximénez geht in die gleiche Richtung: "y no los pisaron; sino q[ue] sobre sus cervantanas pasaron" (Estrada Monroy 1973: f. 23 l), xquiyicou wird von ihm ebenfalls als "(zu Fuß) durchschreiten" interpretiert, allerdings wird transitiv übertragen.

) xa chi rih vvb xeicou vi
Xe’iq’ow chi k’ut pa puuj-ya’,
pa kik’-ya’; ch’akb’al ta ke’, chi
kik’u’x Xib’alb’a. Ma wi xki=
q’ow, xaa chi riij wub xe’iq’ow wi.
  Sie kamen dort dann heran an den Eiterfluß,
an den Blutfluß; für sie sollte es der Ort der Niederlage sein, wo
das Herz von Xibalba ist. Nicht einmal waren sie es, die ihn durchschritten,
nur auf dem Rücken der Blasrohre setzten sie über.

[Zum analytischen Wörterverzeichnis]

C

37
38
39
40
xeel chicu apanoc pacahib xal=
cat be (1

C-(1) xalcat be – "kreuzende Wege"

Es ist unklar, was xal-q’at für eine Form darstellt, Edmonson (1965: 146) macht auch keine Angabe, die Derivation xal-q’atih "pass over, transgress" (Edmonson 1965: 146) läßt vermuten, daß es sich um ein Adjektiv handelt.

) xa xquetaam vi cut qui
be xibalba quecabe zaquibe, ca=
cabe, raxabe
Xe’el chi k’u apanoq pa kajiib’ xal=
q’at b’ee. Xaa xketa’am wi k’ut, ki=
b’ee Xib’alb’a: q’eqa b’ee, saqi b’ee, ka=
qa b’ee, raxa b’ee.
  Sie verließen da nun hin zu einem anderen Ort weg die vier sich kreuzenden
Wege. Nur sie wußten es also, die Wege
von Xibalba: den schwarzen Weg, den weißen Weg, den roten
Weg und den grünen Weg.

[Zum analytischen Wörterverzeichnis]

D

40
41
42
43
44
45
46
47
1
chiri cut xquitac
vi hun chicop xan vbi are ca=
mol (1

D-(1) camol – "Führer"

Das Wort ist in seiner Ableitung ein wenig unklar, da für gewöhnlich k’amal be (Edmonson 1965: 106) der "Führer" ist, abgeleitet von k’am b’ee "leiten, führen, richten, lenken" (Sachse 2000). Es ist denkbar, daß hier eine Kurzform vorliegt. Edmonson gibt darüber hinaus qamo als "bring" (Edmonson 1965: 106) an, der "Bringer" könnte also im Sinne von "hinbringen" ein anderes Wort für "Führer" sein.

) qui ta (2

D-(2) qui ta – "ihr hört es"

Dieser kleine Einschub sticht deutlich aus dem Erzählrahmen heraus. Zum einen steht das Verb im Inkompletiv und ist mit dem 2pErg flektiert. Als Adressat ist eindeutig der Leser, vielmehr die Leserschaft angesprochen. Man kann in der Interpretation sogar noch einen Schritt weiter gehen: Es mag sich bei dem qui ta um ein Rudiment oraler Literatur handeln, das zur Emphase des Sachverhaltes mit vorgetragen wurde.

), xquitac vbic huhu=
nal queatio (3

D-(3) queatio – "du beißt sie"

Eigentlich heißt ti(y)o "beißen" (Edmonson 1965: 124), auch wenn das Wort hier in der Bedeutung "stechen" gebraucht wird. Da Vertreter der Stechmücken mit Hilfe speziell ausgebildeter Mundwerkzeuge Blut saugen, ist die Verwendung von ti(y)o naheliegend. Da sich die Übersetzung möglichst nah an der K’ichee’-Semantik orientieren soll, wird hier die Grundbedeutung verwendet, die sich bereits in der Übersetzung von Ximénez findet (Estrada Monroy 1973: f. 23 l).

) nabe chati ri na=
be cubulel chatzaconizah qui=
tiic (4

D-(4) quitiic – "er wird gebissen"

Es ist auffällig, daß das Aspektpräfix k- mit einem Bindevokal <i> an den Wortstamm angeschlossen wird. Die Bevorzugung dieses Vokals, der für gewöhnlich nur mit dem Potential steht (Siis Ib’ooy & Sachse 1997: 17), anstelle des üblichen <a> zeigt sich im Poopol Wuuj häufiger, siehe u.a. Zeile F10 xitiouic, wo sogar der Kompletiv mit einem Bindevokal versehen ist.

) conohel xa vech vi cut cha=
tzubah vi vquiquel vinac pa=
be xughaxic rixan utzbala
[24 r] gha curi xan
Chi ri’ k’ut xkitaq
wi juun chikop, xa’n ub’i’. Are’ qa=
mol, kita’, xkitaq ub’ik: "Juju=
naal ke’ati’o: Nab’ee chati’ ri na=
b’ee kub’uleel, chatzakonisaaj ki=
ti’ik konojel! Xaa aweech wi k’ut, cha=
tz’ub’aaj wi ukik’eel winaq pa
b’ee." Xuch’a’xik ri xa’n. "Utz b’a la’!"
ch’a’ k’u ri xa’n.
  Da also schickten sie
ein kleines Tier los, Mücke war sein Name. Sie war der Führer,
ihr hört es, sie schickten sie weg von hier: "Jeden
beißt Du: Zuerst beiß den ersten
Sitzenden, Du sollst es sein, die machen läßt, daß er 
gebissen wird und sie alle! Allein an Dir ist es also, daß Du
lecken sollst das Blut der Menschen am
Weg." Es wurde der Mücke gesagt. "Es ist gut so!"
sprach nunmehr die Mücke.

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E

1
2
3
4
5
6
ta xoc pa queca be ta
cal cu chirih ripoy (1

E-(1) poy – "Menschenbild"

Das Wort poy offenbart eine umfangreiche Semantik (Edmonson 1965: 92): neben allgemeinen Bedeutungen wie "Schrecken, Erscheinung" finden sich Bezüge auf figürliche Darstellungen: "Marionette, Puppe" und auf schauderhafte Gestalten: "Vogelscheuche, Gespenst" ( 5). Offensichtlich haben die Xibalbaner eine wie auch immer geartetes Bild ihrer körperlichen Erscheinung aufgestellt um die Zwillinge zu täuschen. Aufgrund dieser Ungewißheit soll hier die indifferente Übersetzung "Menschenbild" verwendet werden.

) aham che, na
be culel ecautalic nabecut xqui=
tio maui xghavic xuti chicu. ta
xuti chi vcab culel machivi x
ghavic
Ta xok pa q’eqa b’ee, ta=
k’al k’u chiriij ri poy ajam chee’, na=
b’ee kuleel e ka’utalik. Nab’ee k’ut xki=
ti’o, ma wi xch’awik. Xuti’ chi k’u, ta
xuti’ chi ukaab’ kuleel, ma chi wi x=
ch’awik.
  Daraufhin kam sie herein auf dem schwarzen Weg,
aufgerichtet nun hinter dem Menschenbild geschnitzt aus Holz, dem ersten
der dasitzt von denen, die geschmückt waren. Den Ersten also
bissen sie, nicht einmal sprach er. Sie biß ihn abermals, und als
sie biß den zweiten der dasitzt da, auch er sprach da nicht.

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F

6
7
8
9
10
11
12
13
xuti chi cu rox ca chi rox (1

F-(1) rox – "dritter"

R-ox ist die Grundform der Ordinalzahl, jedoch wird im allgemeinen, obwohl dies einen konservativen Sprachgebrauch darstellt, die Form uroox verwendet (Siis Ib’ooy 1994: 67), d.h. ein zweites 3sErg wird präfigiert. Gleiches gilt auch für roo "fünfter" in Zeile 13.

)
culel go vi huncame aqui, xgha
cut hun ta xtiic naqui ahi xgha
hun came (2

F-(2) aqui, xgha cut hun ta xtiic naqui ahi xgha hun came – " ‚Huch!‘ sagte er denn. ‚Einer ist da gebissen worden! Was... Au!‘ sagte Hun Came.

Die hier nochmals wiedergegebene Stelle gibt die im Manuskript tatsächlich vorhandene Wortfolge wieder. Markierungen im Text zeigen an, daß ursprünglich eine andere Reihung intendiert war. Die Wörter ta xtiic in Zeile 8 sind unterstrichen und mit einem Strich mit der nachfolgenden Zeile nach hun came verbunden. Diese Markierung ist unvollständig, da in Zeile 8 das hun mit dem ta xtiic einen Ausdruck bildet, so daß man diese ganze Einheit verschieben müßte. Der Text müßte nach dem Willen des Schreibers eigentlich wie folgt erscheinen und übersetzt werden:

... aqui, xgha cut naqui ahi xgha hun came
hun ta xtiic ...
"Huch!" sagte er denn. "Was... Au!" sagte
Hun Came, "einer ist da gebissen worden!"

Tabelle 2: Korrektur der Textstelle auf f. 24 r, Zeilen 8-9

Ximénez Übersetzung (Estrada Monroy 1973: f. 24 r) hilft hier nicht weiter, da die entscheidende Stelle naqui ahi in Zeile 8 nicht mit übersetzt wurde und dessen Stellung somit keinen Aufschluß auf die tatsächliche Wortfolge liefert ( 6). Schultze Jena (1944) hat auf die gleiche Weise wie hier korrigiert, dabei aber das naqui in Zeile 8 unterschlagen.

)naqui huncame naquila
mi xitiouic, xahina quichila mi xi=
tiouic xghachic vcah culel. naqui
vvcubcame naquila mi xitiouic
xgha chi roo (3

F-(3) roo – "fünfter"

Siehe hierzu Anmerkung F-(1).

) culel.
Xuti’ chi k’u roox. K’a chi roox
kuleel k’oo wi Hun Came: "Aki!" xch’a’
k’ut. "Juun ta xti’ik! Nakii... Aji!" xch’a’
Hun Came. "Nakii, Hun Came, nakii-la’
mi xiti’owik? Xaji nakii chila’ mi xi=
ti’owik?" xch’a’ chik ukaaj kuleel. "Nakii,
Vvcub Came, nakii-la’ mi xiti’owik?"
xch’a’ chi roo’ kuleel.
  Sie biß schon nun den dritten. Bis da der dritte
der dasitzt Hun Came war: "Huch!" sagte er
denn. "Einer ist da gebissen worden! Was... Au!" sagte
Hun Came. "Was, Hun Came, was
denn war es, das biß? Aber was denn war es,
das biß?" sagte schon der vierte der dasitzt. "Was,
Vvcub Came, was denn war es, das biß?"
sagte schon der fünfte der dasitzt.

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G

13
14
15
16
ahi ahi xgha
na xiquiripat, xgha vvcub came
chire naquila mi xitiouic xcha chic
xtiic vvacac culel ahi,
"Aji, aji!" xch’a’
na Xiquiripat, xch’a’ Vvcub Came
chire: "Nakii-la’ mi xiti’owik?" Xch’a’ chik,
xti’ik uwaaqak kuleel: "Aji!"
  "Au, au!" sagte
sogleich Xiquiripat, und Vvcub Came sagte
zu ihm: "Was denn war es, das biß?" Als er noch sprach,
wurde gebissen der sechste der dasitzt: "Au!"

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H

16
17
18
19
naqui
cuchumaquic xgha xiquiripat chi=
re naquila mi xitiouic xgha chic
ta xti vvc culel ahi xgha chic.
"Nakii,
Cuchumaquic?" xch’a’ Xiquiripat chi=
re. "Nakii-la’ mi xiti’owik?" xch’a’ chik,
ta xti’ wuuq kuleel. "Aji!" xch’a’ chik.
  "Was,
Cuchumaquic?" sagte Xiquiripat zu
ihm. "Was denn war es, das biß?" sagte er noch,
da wurde gebissen der siebte, der dasitzt. "Au!" sagte er schon.

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I

19
20
21
22
23
na=
qui ahalpuh xgha cuchumaquic
chire naquila mixitiouic xgha
chic taxtichic v vah xac culel ahi
xgha chic.
"Na=
kii, Ahalpuh?" xch’a’ Cuchumaquic
chire. "Nakii-la’ mi xiti’owik?" xch’a’
chik, ta xti’ chik uwajxaaq kuleel. "Aji!"
xch’a’ chik.
  "Was,
Ahalpuh?" sagte Cuchumaquic
zu ihm. "Was denn war es, das biß?" sagte er
noch, da wurde gebissen schon der achte der dasitzt. "Au!"
sagte er schon.

[Zum analytischen Wörterverzeichnis]

J

23
24
25
26
naqui ahalcana xgha
chi ahalpuh chire, naquila mixi=
tiouic gha chic ta xti chic vbeleh
culel ahi. xgha
"Nakii, Ahalcana?" xch’a’
chi Ahalpuh chire. "Nakii-la’ mi xi=
ti’owik?" ch’a’ chik, ta xti’ chik ub’eleej 
kuleel. "Aji!" xch’a’.
  "Was, Ahalcana?" sagte
da Ahalpuh zu ihm. "Was denn war es,
das biß?" sagte er noch, da wurde gebissen schon der neunte
der dasitzt. "Au!" sagte er.

[Zum analytischen Wörterverzeichnis]

K

26
27
28
29
naqui chamiabac
xcha ahalcana, chire naquila
mi xitiouic xcha chic ta xti chic
vlahuh (1

K-(1) ulahuh – "zehnter"

In der Regel wird lajuuj "zehn" als Ordinalzahl gekürzt zu u-laj, kann aber, wie hier, noch als u-lajuuj vorkommen (Lopez Ixcoy 1997: 138). Alle höheren Ordinalzahlen werden ausschließlich mit dem verkürzten -laj gebildet. In den folgenden Abschnitten zeigt sich, daß allerdings nur vhulah "elfter" dem Paradigma folgt und alle anderen Zahlen auf der Basis der Kardinalform -lajuuj gebildet werden.

) cubulel ahi
"Nakii, Chamiabac?"
xch’a’ Ahalcana chire. "Nakii-la
mi xiti’owik?" xch’a’ chik, ta xti’ chik 
ulajuuj kub’uleel. "Aji!"
  "Was, Chamiabac?"
sagte Ahalcana zu ihm. "Was
denn war es, das biß?" sagte er noch, da wurde gebissen schon
der zehnte Sitzende. "Au!"

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L

29
30
31
32
naqui gha=
mia holom xgha chamia bac na=
quila mi xitiouic xgha chic ta xti
chic vhulah culel ahi xgha chic
"Nakii, Gha=
miaholom?" xch’a’ Chamiabac. "Na=
kii-la’ mi xiti’owik?" xch’a’ chik, ta xti’
chik ujulaaj kuleel. "Aji!" xch’a’ chik.
  "Was, Chamiaholom?"
sagte Chamiabac. "Was
denn war es, das biß?" sagte er noch, da wurde gebissen
schon der elfte der dasitzt. "Au!" sagte er schon.

[Zum analytischen Wörterverzeichnis]

M

33
34
35
36
naqui gha chic chamiaholom chi=
re naquila mixitiouic xgha chic
ta xti chic vcablahuh culel a=
hi xgha chic
"Nakii?" ch’a’ chik Chamiaholom chi=
re. "Nakii-la’ mi xiti’owik?" xch’a’ chik,
ta xti chik ukab’lajuuj kuleel. "A=
ji!" xch’a’ chik.
  "Was?" sagte noch Chamiaholom zu
ihm. "Was denn war es, das biß?" sagte er noch,
da wurde gebissen schon der zwölfte der dasitzt.
"Au!" sagte er schon.

[Zum analytischen Wörterverzeichnis]

N

36
37
38
39
naqui, patan xgha
chic chire naquila mixitiouic
xgha chic ta xti chic roxlahuh
culel ahi
"Nakii, Patan?" xch’a’ 
chik chire. "Nakii-la’ mi xiti’owik?"
xch’a’ chik, ta xti’ chik roxlajuuj
kuleel. "Aji!"
  "Was, Patan?" sagte er
da zu ihm. "Was denn war es, das biß?"
sagte er noch, da wurde gebissen schon der dreizehnte
der dasitzt. "Au!"

[Zum analytischen Wörterverzeichnis]

O

39
40
41
42
naqui, quic xic gha?
patan chirech naquila mixitio?
vic xgha chic ta xti chic vcah?
lahuh culel ahi
"Nakii, Quixcic?" ch’a’
Patan chireech. "Nakii-la’ mi xiti’o?
wik?" xch’a’ chik, ta xti’ chik ukaj?
lajuuj kuleel. "Aji!"
  "Was, Quicxic?" sagte da 
Patan zu ihm. "Was denn war es, das biß?"
sagte er noch, da wurde gebissen schon der vierzehnte
der dasitzt. "Au!"

[Zum analytischen Wörterverzeichnis]

P

42
43
44
naquila mi=
xitiovic xgha chic quic rixcac
xgha quicre chirech
"Nakii-la’ mi=
xiti’owik?" xch’a’ chik, "Quicrixcac?"
xch’a’ Quicre chireech.
  "Was denn war es,
das biß?" sagte er noch. "Quicrixcac?"
sagte Quicre zu ihm.

[Zum analytischen Wörterverzeichnis]

Q

44
45
46
47
1
2
3
4
5
6
7
8
9
quehe
cut vbixic quibi ri xquibijh
conohel chi quibil quib, xqui=
cut vvach (1

Q-(1) vvach – "ihr Gesicht"

Obwohl wach mit dem 3sErg flektiert ist, muß man, wie bereits in der Übersetzung berücksichtigt, den Plural annehmen, da alle zuvor aufgeführten Fürsten gemeint sind. Mit dem verwendeten Singular kann die Geschlossenheit aller Xibalbaner als eine Gruppe angedeutet sein.

) xquibijh qui bi
[24 l] huhun chiholoman vbixic cumal
are chibijn (2

Q-(2) chibijn – "als das Nennen"

Die Form ist etwas unklar, morphologisch ist bijn ein Antipassiv von biij. In Verbindung mit dem chi kann man zwei Übersetzungsmöglichkeiten bieten: Man trennt das chi als Standardpräposition ab, das ohne Aspekt und Absolutivpronomen stehende bijn könnte dann ein Verbalsubstantiv mit antipassivem Stamm sein, hierfür würde aber das Derivationssuffix -ik fehlen. Trotzdem erscheint diese Möglichkeit am wahrscheinlichsten. Die zweite Möglichkeit ist chibijn als ein Wort zu sehen und das ch- als Imperativaspekt und das <i> als Bindevokal anzusetzen: "er ist es, der nennen muß". Aber auch in diesem Falle würde das entsprechende Modalsuffix -oq fehlen.

) vbi hunricubul chu=
xucut mahabi hunoc xquizach v
bi quiz quibijh quibi conohel ta
xeti rumal rizmalvvach vchec
hunahpu xumich vbic mana qui=
tzih xan rixetiovic (3

Q-(3) mana quitzih xan rixetiovic xbe(tao) – "In Wirklichkeit waren es überhaupt nicht Mücken, die bissen, die ging(en)"

Obwohl in Abschnitt D noch davon gesprochen wird, daß die Zwillinge "ein kleines Tier" herbeiriefen, so taucht die Mücke hier auf einmal im Plural auf: xetiovic "sie waren es, die bissen" um danach wieder im Singular zu stehen: xbe "sie ging". Man kann natürlich einen Schreibfehler annehmen, macht es sich damit aber möglicherweise zu einfach. Der Schreiber kann im Hintergrund eine andere Vorstellung gehabt haben, die sich hier niedergeschlagen hat und für die es zwei Alternativen gibt: Mit dem Plural können die beiden Zwillinge angesprochen sein oder aber Hunahpu und die Mücke als sein alter ego, sein nagual gemeint sein ( 7).

) xbetao (4

Q-(4) xbetao – "die ging(en), zu hören"

Diese Konstruktion ist nicht bestimmbar. Sie wurde hier als Verbkoppelung mit Infinitiv übersetzt, wie auch bei Ximénez (Estrada Monroy 1973: f. 24 l): "y q[ue] fue a oyr los nombres de todos", da es keine andere Möglichkeit der Übersetzung gibt. In einer solchen Konstruktion müßte das erste Verb aber mit Modalsuffix stehen und über die Partikel che mit dem zweiten voll flektierten Verb verbunden sein, also eigentlich *xb’eek che xuta’o. Die Verwendung eines unflektierten Verbstammes ist nicht möglich. Bei dem tao könnte es sich noch um ein Verbalsubstantiv handeln, welches durch Anfügen des Derivationssuffixes -ooj gebildet wird, hier aber ohne <j> steht. Die Konstruktion könnte dann wieder mit einem Infinitiv übersetzt werden.

) quibi
conohel rumal hun ahpu xba=
lanque.
Keje
k’ut ub’ixiik kib’i’, ri xkib’iij
konojel chi kib’il kib’, xki=
k’ut uwach, xkib’iij kib’i’.
Jujuun chi joloman ub’ixiik kumaal,
are chi bin ub’i’ juun ri kub’ul chu
xukuut. Ma jabi junoq xkisach u=
b’i’; k’is kib’iij kib’i’ konojel, ta
xeti’ rumaal rismaal, uwach uch’eek 
Hunahpu xumich’ ub’ik: Mana qi=
tziij xa’n ri xeti’owik, xb’ee ta’o kibi’i’ 
konojel rumaal Hunanhpu, Xba=
lanque.
  Auf die geschilderte Art
war nunmehr das Genannt werden ihrer Namen, sie nannten es
alle untereinander, sie legten dar
ihr Gesicht, sie nannten ihre Namen.
Ein Fürst nach dem anderen da hatte sein Genannt werden durch sie,
als das Nennen des Namens des Einen, der sitzend in seiner
Ecke ist. Mitnichten vergaß jemand seinen
Namen; vollzählig nannten sie alle ihre Namen; als
sie gebissen wurden durch das Haar, welches von der Vorderseite seines Schienbeins 
weg Hunahpu ausgerupft hatte: In Wirklichkeit waren es
überhaupt nicht Mücken, die bissen, die ging(en) zu hören alle ihre Namen
durch Hunahpu und Xbalanque.

[Zum analytischen Wörterverzeichnis]

R

9
10
11
12
catecut taxebec ta xe=
opon puch chila egovi xibalba (1

R-(1) egovi xibalba – "[wo] es gibt Xibalba"

Dieser Ausdruck ist in dreifacher Hinsicht interessant und bestätigt noch einmal das, was bereits unter Anmerkung B-(2) gesagt wurde. Xibalba wird, das ist an dem Absolutivpronomen e’ in Verbindung mit k’oo zu erkennen, wieder pluralisch gebraucht und funktioniert abermals als Gentilicio. Zum anderen drückt das defektive Verb k’olik einen inkompletiven Zustand aus und taucht in einer gänzlich kompletiven Textstruktur auf, in der man statt dessen das entsprechende Verb k’uji’ik erwarten würde

)
chi quihila ahau xghari cubulic
xgha huntac chiinel (2

R-(2) tac chiinel – "Verführer"

Das Wort kann nach Edmonson auch "Ratschlag" (vgl. Wörterliste) bedeuten. Obwohl lexikalisch nicht in der hier vorliegenden Form direkt verbürgt ( 8), kann man die Form als Agentiv eines Antipassivs ableiten. Gegenüber "Ratschlag" macht "Verführer" mehr Sinn, da spezifiziert wird, wer in welcher Eigenschaft spricht, wahrscheinlich ein Xibalbaner. Die Alternative wäre mit "sagte er einen Ratschlag" doch sehr allgemein gehalten.

)
Kate k’ut ta xeb’eek, ta xe’=
opon puch chi la’, e k’oo wi Xib’alb’a.
"Chiq’ijila’ ajaaw" xch’a’ ri, "kub’ulik."
xch’a’ juun taq-chineel.
  Dann also, nachdem sie weggingen, kamen sie da
an auch von dort her, [wo] es gibt Xibalba.
"Verehrt den Herrscher" sagte der, "den sitzenden."
sagte ein Verführer.

[Zum analytischen Wörterverzeichnis]

S

12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
maui are
ahau rixapoy ahamche ri xe=
gha ta xeoponic catecut ta xeca=
lainic calata (1

S-(1) calata – "[sei] umarmt"

Die Form ist insgesamt unklar, hier wird vermutet, daß das stative Positionaladjektiv q’a’l mit -a’ verbalisiert und dann durch -tal zu einem Partizip Imperfekt adjektiviert wurde. In Zeile 18 taucht auch einmal die Form calatal auf. Diese Ableitung würde ein schönes Bild einer Begrüßung liefern, wenn man die Semantik berücksichtigt, die bei den Derivationen zum Tragen kommt: Die Verbalisierung mit -a’ zeigt eine mehrmalige Wiederholung der Handlung an (Siis Ib’ooy & Sachse 1997: 28), das Partizip ist eine Ergänzung der sprachlichen Handlung parallel zum Vorgang: Bei der Handlung wird mit dem Sprechen angefangen, das aber aufhört als noch gehandelt wird (vgl. Siis Ib’ooy & Sachse 1997: 48).

) huncame, calata
vvcubcame, calata xiquiritap
calata cuchumaquic. calata a=
halpuh, calatal ahalcana, cala=
ta chamiabac, calata chamia=
holom, calata calaxic, cala=
ta patan, calata quicre, calata
quic pixcac
"Ma wi are’
ajaaw, ri xaa poy ajam chee’ ri’" xe=
ch’a’. Ta xe’oponik, kate k’ut ta xeq’a=
la’inik: "Q’a’la’ta Hun Came; q’a’la’ta
Vvcub Came; q’a’la’ta Xiquiripat;
q’a’la’ta Cuchumaquic; q’a’la’ta A=
halpuh; q’a’la’tal Ahalcana; q’a’la’=
ta Chamiabac; q’a’la’ta Chamia=
holom; q’a’la’ta Calaxic; q’a’la’=
ta Patan; q’a’la’ta Quicre; q’a’la’ta
Quicrixcac.
  "Nicht einmal ist es
ein Herrscher, dieses ist nur ein Menschenbild geschnitzt aus Holz" sagten
sie. Daraufhin kamen sie an, dann nun damit sie es waren,
die offenbarten: "[Sei] umarmt, Hun Came; umarmt,
Vvcub Came; umarmt, Xiquiripat,
umarmt, Cuchumaquic; umarmt,
Ahalpuh, umarmt, Ahalcana; umarmt,
Chamiabac, umarmt, Chamiaholom;
umarmt, Calaxic [Quicxic]; umarmt,
Patan; umarmt, Quicre; umarmt,
Quicrixcac."

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T

22
23
24
25
26
27
xegha ta xeopo=
nic ronohel (1

T-(1) ronohel – "allgemein"

Die Orthographie ist nicht ganz eindeutig, das Wort könnte auch conohel "(sie) alle" heißen. In diesem Fall würde es sich auf vvach am Ende der Zeile beziehen ( 9). Der ganze Ausdruck würde dann übersetzt mit "alle ihre Gesichter wurden also vollendet".

) xquiz cut vvach
xquibijh vbi ronohel mahabi
hun xquizach vbi are ta xaha=
uax chiquech (2

T-(2) chiquech – "für sie"

Die Formulierung ist sehr knapp gehalten, mit "sie" sind natürlich die Xibalbaner gemeint, denen es lieber gewesen wäre, daß die Heldenzwillinge ihre Namen nicht erfahren hätten.

) mata xcanai vbi
cumal
Xech’a’ ta xe’opo=
nik: Ronojel xk’is k’ut uwach,
xkib’iij ub’i’ ronojel, ma jabi
juun xkisach ub’i’. Are ta xaja=
wax chi keech, mata xkanay ub’i’
kumaal.
  So sprachen sie als sie ankamen:
Allgemein wurden vollendet also ihre Gesichter,
sie nannten alle ihre Namen, mitnichten
vergaßen sie einen ihrer Namen. Aber es war notwendig
für sie, wenn überhaupt keiner ihrer Namen ermittelt worden wäre
durch sie.

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3. KOMMENTAR

3.1 Zur Bedeutung der Namen

Als die beiden wichtigsten Akteure im Poopol Wuuj kann man wohl die beiden Heldenzwillinge Hunahpu und Xbalanque ansehen, die somit auch an erster Stelle genannt werden. In der hier zu behandelnden Textpassage treten als sekundäre Akteure weiterhin die zwölf Herren von Xibalba auf. Die Stechmücke wird namentlich nicht erwähnt und bleibt unberücksichtigt. Als mit Eigennamen versehene Toponyme treten Xibalba und die Flüsse durch die Unterwelt auf. Neben der kolonialzeitlichen Schreibung wird in Klammern die auf der Interpretation beruhende moderne Orthographie wiedergegeben. Werden bei der Diskussion einzelne Wörter genannt, so werden sie in der Orthographie des jeweiligen Wörterbuches wiedergegeben. Für deutsche Einträge sind Schultze Jena (1944) und Sachse (2000), für englische Edmonson (1965) wesentlich.

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3.1.1 Die Heldenzwillinge

Hunahpu (Juun Ajpu’) läßt sich sehr leicht zerlegen: Die Kardinalzahl hun "eins" steht einem Ausdruck bestehend aus der substantivischen Agentivform ah und dem Wort pu für Blasrohr voran. Mit einem wörtlich übertragen Agentiv ergibt sich also "Eins Der vom Blasrohr", was "Eins Blasrohrjäger" zu bedeuten hat.

Der Name von Xbalanque (Xb’alanke) hat sich in der Vergangenheit als problematisch dargestellt. Unter der Annahme, daß es sich um eine männliche Person handelt, ist das x- als Diminutivpräfix (vgl. Schultze Jena 1944: 284) für das kolonialzeitliche K’ichee’ belegt. Während balan für balam "Jaguar" gesichert ist (1(1) Im Text des Poopol Wuuj finden sich einige wenige Schreibungen mit xbalamque.), so ist für das -que eine Reihe von Vorschlägen gemacht worden. Am meisten verbreitet sind wohl die Annahmen für eine Kurzform von queh "Hirsch" (vgl. Edmonson 1985: 109) oder q’e aus dem Kekchi für "Sonne" (Lounsbury 1980: 52). Es gibt aber eine Alternative gibt, die sich trotz grammatikalischer Unstimmigkeiten (2(2) Gemäß der Syntax des K’ichee’ stehen Partikeln vor ihrem Bezugswort.) überzeugender liest. Schultze Jena (1944: 165) und Edmonson (1965: 57) geben ein Partikel quehe an, das auch in abgekürzter Schreibweise que vorkommt, an. Die Bedeutung ist nach Schultze Jena: "so wie, auf gleiche Art, damit in Einklang, eine Art von, in solcher Beziehung, auf die genannte Art". Bei dieser Verwendung würde der Name Xbalanque somit "In der Art eines kleinen Jaguars" zum Inhalt haben.

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3.1.2 Die Herren der Unterwelt

Die Namen von Hun Came (Juun Kame) und Vvcub Came (Wuquub’ Kame) unterscheiden sich nur durch die unterschiedlichen Zahlenkoeffizienten hun "eins" und vvcub "sieben". Beiden gemein ist came für "Tod", der Name des sechsten Tages im 260-tägigen RitualkalenderTzolk’in.

Xiquiripat (Xiik’iripat) wird von Tedlock (1983: 135) mit "House Corner" übersetzt, was von xikin "Ohr, Gehör, Ecke, Kante" herrühren würde, den Rest des Namens morphologisch aber nicht erklärt. Edmonson (1965: 148) gibt für Xikiri Pat "Flying Pack" an. Der Autor dieser Arbeit nimmt das inchoative Verb xik’irik als Derivation von xik’ für "wing, feather, falcon" (Edmonson 1965: 148, Sachse 2000) und die Positionalbasis pat "set noose or snare for wild animals, rope for wild animals" (Edmonson 1965: 86) als Bestandteile an. Dies würde eine Übersetzung ergeben, die dem Sinne nach soviel wie "eine ausgelegte Schlinge beflügeln" bedeutet. Mit dem "Beflügeln" könnte hier der Akt des Fangens gemeint sein. Letzten Endes ist der Name aufgrund der großen Anzahl von in Frage kommenden Wörtern und der problematischen Morphologie nicht mit letzter Sicherheit interpretierbar und übersetzbar.

Auch Cuchumaquic (K’uchumaq’ik) ist aufgrund zahlreicher potentieller Lexeme und problematischer Morphologie ein fast unmöglich zu interpretierender Name. Zwei Möglichkeiten sind jedoch am wahrscheinlichsten. Die, welche in der Standardliteratur immer vorkommt, nimmt kuchuh "gather, join, collect, group" (Edmonson 1965: 62) und kik’ für "Blut" als Bestandteile an, was soviel wie "Blutsammler" ergeben würde. Unter der Annahme, daß die Herren der Unterwelt immer Paare bilden (Eins Tod und Sieben Tod, Hervorbringer des Eiters und Hervorbringer der Gelbsucht, Knochenstab und Schädelstab, etc., vgl. Schultze Jena 1944: 193) und unter der Annahme, daß Xiquiripat in Verbindung mit Vogelfang steht, gibt es noch eine zweite Alternative: k’uch als "buzzard" (Edmonson 1965: 52, hier im Gebrauch von "Geier" des amerikanischen Englisch) und maq’ih "pour out, power down" (Edmonson 1965: 70). Dies würde einen Namen mit dem Sinn "den Geier (mit einer Waffe?) niederschmettern" ergeben, was in Zusammenhang mit Xiquiripat wahrscheinlicher erscheint, man würde zwei Namen erhalten, die in Verbindung mit Vogelfang stehen.

Ahalpuh (Ajalpuuj) wäre der "Hervorbringer des Eiters", wenn man ahal als "Hervorbringer" (Schultze Jena 1944: 210) bzw. "elaborator" (Edmonson 1965: 6) im Sinne von Urheber oder Verursacher ansieht und puh der Eiter ist.

Ahalcana (Ajalq’ana) ist parallel zu Ahalpuh der "Hervorbringer der Gelbsucht", was aus dem Bestandteil cana für "gelb" geschlossen werden kann (vgl. q’ana "yellowness", Edmonson 1965: 96).

Der Name von Chamiabac (Chami’abaaq) setzt sich zusammen aus chamiy für "staff, rod, cane, assistant" (Edmonson 1965: 25), was durchaus im Sinne eines Amtsstabes oder auch eines Zepters zu verstehen ist, und bac "Knochen" zusammen. Der Name bedeutet somit in freier Übersetzung "Knochenstab".

Chamiaholom (Chami’ajoloom), der in einem Fall auch fälschlicherweise ghamiaholom geschrieben wird, ist parallel zu Chamiabac zu setzen, der Unterschied liegt in der Verwendung von holom für "Kopf", was hier wahrscheinlich mehr in die Richtung "(Toten)schädel" zu verstehen ist und somit insgesamt als "Schädelstab" auszulegen wäre. Die Schreibung mit <gh> könnte von dem Wort ch’imiy herrühren, was ebenfalls "Stab" bedeutet und mag ursprünglich vom Schreiber angesetzt worden sein.

Patan (Pataan) ist in seiner endgültigen Interpretation ebenfalls sehr diffus. Edmonson (1965: 86) führt für patan "service, serve, tribute, tumpline, digging stick, machete" auf, Schultze Jena (1944: 261) ergänzt "Berufung, Aufgabe, Pflicht, Amt, Wirkungsfeld, übernommene Arbeit; Last, Tribut, Zwangsleistung" und sieht in ihm den Verursacher von zusammenbrechenden Lastenträgern (Schultze Jena 1944: 193). Tedlock (1983: 368) vermutet den um die Stirn gelegten Packriemen. Zumindest hat der Name eine nicht näher bestimmbare Verbindung zu Lasten oder Abgaben.

Quicxic (3(3) Auf f. 24 l in Zeile 10 taucht statt quicxic der Name calaxic auf. Aufgrund der großen Anzahl von Möglichkeiten soll nicht weiter auf eine Deutung eingegangen werden, es erscheint aber am wahrscheinlichsten, daß es sich um alaxic „birth, fate, idol, nagual, importance, relative“ (Edmonson 1965: 7), flektiert mit dem 1pErg oder 3pErg handelt.) (Kik’xiik, Kik’xiik’) setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen, die relativ sicher bestimmbar sind: quic ist das Blut und xik ist nach Edmonson (1965: 148) "hawk", nach Sachse (2000) ist xiik "Raubvogel". Alternativ (s.o. bei Xiquiripat) kann man ebenfalls xik’ vermuten. Der Name, der also ein Nominalkompositum bildet, spiegelt somit die Bezeichnung "Blutfalke" oder "Blutfeder, Blutflügel" wieder.

Quicrixcac (Kik’rixk’aq) ist sehr eindeutig zu zerlegen: Auch hier bildet quic "Blut" wieder den ersten Bestandteil, ixk’aq für "Finger-/Fußnagel, Klaue" (Sachse 2000), mit dem Ergativpronomen r- präfigiert, den zweiten. Dieser stative Satzname liest sich somit "Blut ist seine Klaue".

Quicre (Kik’ree’) ist morphologisch parallel zu Quicrixcac zu setzen. Auch hier bildet quic "Blut" wieder den ersten Bestandteil, -ee’ ist die Possessivform von "Zahn" (Sachse 2000), wieder präfigiert mit dem Ergativpronomen der dritten Person Singular. Auch hier ist wieder eine stative Konstruktion vorhanden, die sich "Blut ist sein Zahn" liest.

Wie diese Auflistung der Xibalbaner zeigt, ist die Bedeutung ihrer Namen breit gefächert, und man kann Rivera Dorado nicht uneingeschränkt Recht geben, wenn er schreibt (2000: 153): "... la lista de demonios de Xibalbá que incluye en el Popol Vuh es en realidad una enumeración de males padecidos por los humanos, infecciones, dolores, hemorragias, roturas de huesos, todos ellos presididos por la Muerte."

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3.1.3 Die Toponyme

Xibalba (Xib’alb’a) ist der noch heute gebräuchliche Name für die Unterwelt mit den (mit Sicherheit christlich beeinflußten) Nebenbedeutungen "Schrecken, Terror, Inferno, Hölle" (Sachse 2000). Die Bezeichnung leitet sich von dem derivierten transitiven Verb xib’iij "erschrecken" ab. Das Derivationssuffix –Vb’al weicht in zwei Punkten vom üblichen Schema zur Substantivierung ab (der Wurzelvokal wird nicht aufgegriffen, das <l> fehlt) und gibt den Instrumental bzw. Lokativ wieder, eine Doppelbedeutung, die mit Sicherheit in der Bedeutung des Wortes beabsichtigt war, was Xibalba zu einem "Ort, der das Mittel des Erschreckens ist" macht.

Puhia (Puuj-ya’) und Quiquia (Kik’-ya’) wurden bereits in der Textedition im Abschnitt B übersetzt. Neben der Grundbedeutung "Wasser" gibt Schultze Jena (1944: 248) noch "Gewässer, Fluß" an. Morphologisch betrachtet handelt es sich um ein Nominalkompositum, mit der im Achi vorkommenden Variante ya’ zu ja’ (Siis Ib’ooy & Sachse 1997: 123 ).

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3.2. Formale Analyse des Textes

3.2.1 Anmerkungen zu Text und Übersetzung

Die Bezeichnung der Anmerkungen erfolgt nach dem Buchstaben des Abschnittes und ihrer Nummer. Zusätzlich wird die zugehörige Passage des Originaltextes und dessen Übersetzung gegeben um einen eindeutigen Bezug zum Umfang der zu diskutierenden Stelle zu geben und den Kontext zu geben. Zu im Text gebrauchten Abkürzungen siehe Kapitel 4.1.

A-(1) huhun chi vvb chique – "einer nach dem anderen ist mit seinem Blasrohr"

Der mit dem 3pErg gebildete unabhängige Possessiv läßt zwei Schlüsse zu: entweder soll mit dem Plural angezeigt werden, daß die Heldenzwillinge zu zweit sind oder aber das sie mehrere Blasrohre mit sich führen. – Die Mehrdeutigkeit von huhun und chique läßt noch eine andere Übersetzungsmöglichkeit zu: "einzeln ist ihnen da das Blasrohr". Hier wird chique als Dativ ausgelegt und zeigt an, daß sie außer ihren Blasrohren nichts weiter mit sich führen. Diese grammatikalisch theoretisch gegebene Möglichkeit scheidet aber aus, da im vorangehenden und folgenden Text gesagt wird, daß sie ihr Ballspielgerät mitführen.

A-(2) chivicut chupan halha zivan – "wo dort im Innern eine sich teilende Flußschlucht ist"

Es wird nicht konkret gesagt, welches Innere gemeint ist, mit Sicherheit ist aber Xibalba gemeint. In bezug auf die zuvor erwähnten Klippen ist es wahrscheinlich, daß "am Fuße der Klippen" mit der Formulierung chupan wiedergegeben ist.

A-(3) (xa)chuxol g¸iquin– "zwischen Vögeln"

Die Präposition ist mit dem 3sErg flektiert, obwohl das Bezugswort molai pluralisch gebraucht wird. Hier zeigt sich das auch in anderen Maya-Sprachen verbreitete Konzept, daß zahlreiche Einzelelemente eine als Singular verstandene Menge bilden.

A-(4) molai – "Vogelversammler"

Edmonson (1965: 73) gibt molay als Bezeichnung einer Vogelart an. Morphologisch handelt es sich um den Agentiv der transitiven Verbwurzel -mol "versammeln". Frauke Sachse (pers. Mitteilung, 2000) ist der Meinung, daß dieser Vogel z.B. durch lautes Rufen die Eigenschaft besitzt, andere Vögel zusammenfinden zu lassen. Tedlock (1983: 134) übersetzt meines Erachtens nach unzutreffenderweise mit "throng birds" als allgemeines Substantiv, dessen Derivationssuffix -V’y aber nur an positionale oder affektive Wurzeln angefügt werden kann.

B-(1) chacbal – "Ort der Niederlage"

Wie die Einträge in den Wörterbüchern zeigen (vgl. Edmonson 1965: 20), liegen der transitiven Wurzel ch’ak zahlreiche Bedeutungen zugrunde und deren Semantik sowohl "siegen, gewinnen" als auch "besiegen, unterwerfen" beinhaltet. Hier scheint ein dualistisches Konzept vorzuliegen, welches beide semantischen Dimensionen in einem Wort vereinigt, nämlich das des einen Sieg des anderen Unterwerfung ist. Der hier gebildete Lokativ/Instrumental ist aber als "Ort der Niederlage" zu übersetzen, da an den beiden Flüssen die Zwillinge getötet werden sollten. Ximénez übersetzt (4(4) Die Auszüge aus der Übersetzung von Ximénez, die hier und im folgenden wiedergegeben werden, beruhen auf der Transkription des Originaltextes in der Faksimile-Edition von Estrada Monroy (1973). Da im dortigen Text keine Akzente gesetzt sind, soll dieser Mangel auch hier im Rahmen einer textgetreuen Wiedergabe nicht behoben werden.) mit "y estos rios eran para q[ue] fueron vencidos" (Estrada Monroy 1973: f. 23 l). – Eine andere Möglichkeit der Herleitung wäre chaq’ih (Edmonson 1965: 25), was "stolpern, straucheln, einen Fehltritt machen" bedeutet, und der "Ort des Strauchelns" damit eine metaphorische, beinahe euphemistische Umschreibung ihres Schicksals ist.

B-(2) chiqui gux xibalba – "wo das Herz von Xibalba ist"

Hier, wie auch bei anderen Vorkommen von "Xibalba" zeigt sich deutlich, daß das Wort ein pluralisch gebrauchter Begriff ist, da gux mit dem 3pErg flektiert ist. – Mit dem "Herz von Xibalba" könnte das Innerste gemeint sein, so wie in der Formulierung "im Herzen von...". – Da k’u’x nicht nur "Herz" sondern auch "Gewissen, Gefühl, Seele, Bewußtsein" heißt, ist es auch möglich, daß hier "aus dem Gewissen von Xibalba" gemeint sein kann, d.h. nach dem Gewissen der Xibalbaner. Ximénez übersetzt in die gleiche Richtung (Estrada Monroy 1973: f. 23 l): "como pensaban los de el infierno". Eine parallele Konstruktion findet sich auch in einem modernen kwento: pa uk’u’x für "in seinem Gefühl" (Weißhaar & Hostnig 1995: 47). Das Toponym Xibalba wäre dann als Gentilicio zu gebrauchen, ein Umstand der auch an anderer Stelle im Text auftritt (vgl. Abschnitt R, Zeile 10).

B-(3) ma vi xquiyicou xa chi rih vvb xeicou vi – "aber dennoch waren sie es, die ihn durchschritten, nur auf dem Rücken der Blasrohre setzten sie über"

Das Wort xquiyicou stellt sich als äußert problematisch dar. Das Suffix -ou zeigt, daß es sich bei der Form offensichtlich um das Antipassiv eines VTR handelt. Da sich kein Absolutivpronomen erkennen läßt, wäre die transitive Wortwurzel *quiyic. Allerdings finden sich in den Wörterbüchern hierfür keine Einträge. Schultze Jena tut <iy> als euphonische Schreibweise ab und nimmt iq’o (vgl. Edmonson 1965: 47) als Wortwurzel an. Damit würde aber ein VIT mit dem 3pErg flektiert sein. Eine andere Möglichkeit wäre yikowik (PLFM 1996: 517) "moverse la tierra por temblores" (vgl. Edmonson 1965: 154 mit yikoh als "shake"). Damit könnte gemeint sein, daß die Zwillinge trotz des Schwankens der Blasrohre das Wasser überquerten. Aber auch hier wäre wieder ein VIT mit dem 3pErg flektiert, außerdem würde yikoh das Antipassiv mit -n bilden. Letzten Endes kann man xquiyicou nicht sicher übersetzen, die beste Möglichkeit ist aber immer noch die Prämisse von Schultze Jena, weil damit wenigstens ein Couplet gebildet wird. Die Übersetzung von Ximénez geht in die gleiche Richtung: "y no los pisaron; sino q[ue] sobre sus cervantanas pasaron" (Estrada Monroy 1973: f. 23 l), xquiyicou wird von ihm ebenfalls als "(zu Fuß) durchschreiten" interpretiert, allerdings wird transitiv übertragen.

C-(1) xalcat be – "kreuzende Wege"

Es ist unklar, was xal-q’at für eine Form darstellt, Edmonson (1965: 146) macht auch keine Angabe, die Derivation xal-q’atih "pass over, transgress" (Edmonson 1965: 146) läßt vermuten, daß es sich um ein Adjektiv handelt.

D-(1) camol – "Führer"

Das Wort ist in seiner Ableitung ein wenig unklar, da für gewöhnlich k’amal be (Edmonson 1965: 106) der "Führer" ist, abgeleitet von k’am b’ee "leiten, führen, richten, lenken" (Sachse 2000). Es ist denkbar, daß hier eine Kurzform vorliegt. Edmonson gibt darüber hinaus qamo als "bring" (Edmonson 1965: 106) an, der "Bringer" könnte also im Sinne von "hinbringen" ein anderes Wort für "Führer" sein.

D-(2) qui ta – "ihr hört es"

Dieser kleine Einschub sticht deutlich aus dem Erzählrahmen heraus. Zum einen steht das Verb im Inkompletiv und ist mit dem 2pErg flektiert. Als Adressat ist eindeutig der Leser, vielmehr die Leserschaft angesprochen. Man kann in der Interpretation sogar noch einen Schritt weiter gehen: Es mag sich bei dem qui ta um ein Rudiment oraler Literatur handeln, das zur Emphase des Sachverhaltes mit vorgetragen wurde.

D-(3) queatio – "du beißt sie"

Eigentlich heißt ti(y)o "beißen" (Edmonson 1965: 124), auch wenn das Wort hier in der Bedeutung "stechen" gebraucht wird. Da Vertreter der Stechmücken mit Hilfe speziell ausgebildeter Mundwerkzeuge Blut saugen, ist die Verwendung von ti(y)o naheliegend. Da sich die Übersetzung möglichst nah an der K’ichee’-Semantik orientieren soll, wird hier die Grundbedeutung verwendet, die sich bereits in der Übersetzung von Ximénez findet (Estrada Monroy 1973: f. 23 l).

D-(4) quitiic – "er wird gebissen"

Es ist auffällig, daß das Aspektpräfix k- mit einem Bindevokal <i> an den Wortstamm angeschlossen wird. Die Bevorzugung dieses Vokals, der für gewöhnlich nur mit dem Potential steht (Siis Ib’ooy & Sachse 1997: 17), anstelle des üblichen <a> zeigt sich im Poopol Wuuj häufiger, siehe u.a. Zeile F10 xitiouic, wo sogar der Kompletiv mit einem Bindevokal versehen ist.

E-(1) poy – "Menschenbild"

Das Wort poy offenbart eine umfangreiche Semantik (Edmonson 1965: 92): neben allgemeinen Bedeutungen wie "Schrecken, Erscheinung" finden sich Bezüge auf figürliche Darstellungen: "Marionette, Puppe" und auf schauderhafte Gestalten: "Vogelscheuche, Gespenst" (5(5) Vgl. hierzu auch poyizah – „change appearance, mutate“ (Edmonson 1965: 92).). Offensichtlich haben die Xibalbaner eine wie auch immer geartetes Bild ihrer körperlichen Erscheinung aufgestellt um die Zwillinge zu täuschen. Aufgrund dieser Ungewißheit soll hier die indifferente Übersetzung "Menschenbild" verwendet werden.

F-(1) rox – "dritter"

R-ox ist die Grundform der Ordinalzahl, jedoch wird im allgemeinen, obwohl dies einen konservativen Sprachgebrauch darstellt, die Form uroox verwendet (Siis Ib’ooy 1994: 67), d.h. ein zweites 3sErg wird präfigiert. Gleiches gilt auch für roo "fünfter" in Zeile 13.

F-(2) aqui, xgha cut hun ta xtiic naqui ahi xgha hun came – " ‚Huch!‘ sagte er denn. ‚Einer ist da gebissen worden! Was... Au!‘ sagte Hun Came.

Die hier nochmals wiedergegebene Stelle gibt die im Manuskript tatsächlich vorhandene Wortfolge wieder. Markierungen im Text zeigen an, daß ursprünglich eine andere Reihung intendiert war. Die Wörter ta xtiic in Zeile 8 sind unterstrichen und mit einem Strich mit der nachfolgenden Zeile nach hun came verbunden. Diese Markierung ist unvollständig, da in Zeile 8 das hun mit dem ta xtiic einen Ausdruck bildet, so daß man diese ganze Einheit verschieben müßte. Der Text müßte nach dem Willen des Schreibers eigentlich wie folgt erscheinen und übersetzt werden:

... aqui, xgha cut naqui ahi xgha hun came
hun ta xtiic ...
"Huch!" sagte er denn. "Was... Au!" sagte
Hun Came, "einer ist da gebissen worden!"

Tabelle 2: Korrektur der Textstelle auf f. 24 r, Zeilen 8-9

Ximénez Übersetzung (Estrada Monroy 1973: f. 24 r) hilft hier nicht weiter, da die entscheidende Stelle naqui ahi in Zeile 8 nicht mit übersetzt wurde und dessen Stellung somit keinen Aufschluß auf die tatsächliche Wortfolge liefert (6(6) Ximénez übersetzt wie folgt: „...mordio al terzero, q[ue] era: hun came, y dixo aqui, que xan ? (nicht eindeutig bestimmbar). dixo que fue picado. q[ue] es eso hun came, le dixo el quarto q[ue] estaba, en todo, quien de mordio? ...“). Schultze Jena (1944) hat auf die gleiche Weise wie hier korrigiert, dabei aber das naqui in Zeile 8 unterschlagen.

F-(3) roo – "fünfter"

Siehe hierzu Anmerkung F-(1).

K-(1) ulahuh – "zehnter"

In der Regel wird lajuuj "zehn" als Ordinalzahl gekürzt zu u-laj, kann aber, wie hier, noch als u-lajuuj vorkommen (Lopez Ixcoy 1997: 138). Alle höheren Ordinalzahlen werden ausschließlich mit dem verkürzten -laj gebildet. In den folgenden Abschnitten zeigt sich, daß allerdings nur vhulah "elfter" dem Paradigma folgt und alle anderen Zahlen auf der Basis der Kardinalform -lajuuj gebildet werden.

Q-(1) vvach – "ihr Gesicht"

Obwohl wach mit dem 3sErg flektiert ist, muß man, wie bereits in der Übersetzung berücksichtigt, den Plural annehmen, da alle zuvor aufgeführten Fürsten gemeint sind. Mit dem verwendeten Singular kann die Geschlossenheit aller Xibalbaner als eine Gruppe angedeutet sein.

Q-(2) chibijn – "als das Nennen"

Die Form ist etwas unklar, morphologisch ist bijn ein Antipassiv von biij. In Verbindung mit dem chi kann man zwei Übersetzungsmöglichkeiten bieten: Man trennt das chi als Standardpräposition ab, das ohne Aspekt und Absolutivpronomen stehende bijn könnte dann ein Verbalsubstantiv mit antipassivem Stamm sein, hierfür würde aber das Derivationssuffix -ik fehlen. Trotzdem erscheint diese Möglichkeit am wahrscheinlichsten. Die zweite Möglichkeit ist chibijn als ein Wort zu sehen und das ch- als Imperativaspekt und das <i> als Bindevokal anzusetzen: "er ist es, der nennen muß". Aber auch in diesem Falle würde das entsprechende Modalsuffix -oq fehlen.

Q-(3) mana quitzih xan rixetiovic xbe(tao) – "In Wirklichkeit waren es überhaupt nicht Mücken, die bissen, die ging(en)"

Obwohl in Abschnitt D noch davon gesprochen wird, daß die Zwillinge "ein kleines Tier" herbeiriefen, so taucht die Mücke hier auf einmal im Plural auf: xetiovic "sie waren es, die bissen" um danach wieder im Singular zu stehen: xbe "sie ging". Man kann natürlich einen Schreibfehler annehmen, macht es sich damit aber möglicherweise zu einfach. Der Schreiber kann im Hintergrund eine andere Vorstellung gehabt haben, die sich hier niedergeschlagen hat und für die es zwei Alternativen gibt: Mit dem Plural können die beiden Zwillinge angesprochen sein oder aber Hunahpu und die Mücke als sein alter ego, sein nagual gemeint sein (7(7) Zur Möglichkeit, daß die Mücke ein alter ego darstellt und zum way-Konzept siehe die Interpretation in Kapitel 3.3.2.).

Q-(4) xbetao – "die ging(en), zu hören"

Diese Konstruktion ist nicht bestimmbar. Sie wurde hier als Verbkoppelung mit Infinitiv übersetzt, wie auch bei Ximénez (Estrada Monroy 1973: f. 24 l): "y q[ue] fue a oyr los nombres de todos", da es keine andere Möglichkeit der Übersetzung gibt. In einer solchen Konstruktion müßte das erste Verb aber mit Modalsuffix stehen und über die Partikel che mit dem zweiten voll flektierten Verb verbunden sein, also eigentlich *xb’eek che xuta’o. Die Verwendung eines unflektierten Verbstammes ist nicht möglich. Bei dem tao könnte es sich noch um ein Verbalsubstantiv handeln, welches durch Anfügen des Derivationssuffixes -ooj gebildet wird, hier aber ohne <j> steht. Die Konstruktion könnte dann wieder mit einem Infinitiv übersetzt werden.

R-(1) egovi xibalba – "[wo] es gibt Xibalba"

Dieser Ausdruck ist in dreifacher Hinsicht interessant und bestätigt noch einmal das, was bereits unter Anmerkung B-(2) gesagt wurde. Xibalba wird, das ist an dem Absolutivpronomen e’ in Verbindung mit k’oo zu erkennen, wieder pluralisch gebraucht und funktioniert abermals als Gentilicio. Zum anderen drückt das defektive Verb k’olik einen inkompletiven Zustand aus und taucht in einer gänzlich kompletiven Textstruktur auf, in der man statt dessen das entsprechende Verb k’uji’ik erwarten würde

R-(2) tac chiinel – "Verführer"

Das Wort kann nach Edmonson auch "Ratschlag" (vgl. Wörterliste) bedeuten. Obwohl lexikalisch nicht in der hier vorliegenden Form direkt verbürgt (8(8) Edmonson (1965: 119) gibt für „Verführer“ taq-chinel ch e mak an.), kann man die Form als Agentiv eines Antipassivs ableiten. Gegenüber "Ratschlag" macht "Verführer" mehr Sinn, da spezifiziert wird, wer in welcher Eigenschaft spricht, wahrscheinlich ein Xibalbaner. Die Alternative wäre mit "sagte er einen Ratschlag" doch sehr allgemein gehalten.

S-(1) calata – "[sei] umarmt"

Die Form ist insgesamt unklar, hier wird vermutet, daß das stative Positionaladjektiv q’a’l mit -a’ verbalisiert und dann durch -tal zu einem Partizip Imperfekt adjektiviert wurde. In Zeile 18 taucht auch einmal die Form calatal auf. Diese Ableitung würde ein schönes Bild einer Begrüßung liefern, wenn man die Semantik berücksichtigt, die bei den Derivationen zum Tragen kommt: Die Verbalisierung mit -a’ zeigt eine mehrmalige Wiederholung der Handlung an (Siis Ib’ooy & Sachse 1997: 28), das Partizip ist eine Ergänzung der sprachlichen Handlung parallel zum Vorgang: Bei der Handlung wird mit dem Sprechen angefangen, das aber aufhört als noch gehandelt wird (vgl. Siis Ib’ooy & Sachse 1997: 48).

T-(1) ronohel – "allgemein"

Die Orthographie ist nicht ganz eindeutig, das Wort könnte auch conohel "(sie) alle" heißen. In diesem Fall würde es sich auf vvach am Ende der Zeile beziehen (9(9) Auch hier wird mit vvach wieder ein pluralischer gebrauchter Begriff mit dem 3sErg flek-tiert, vgl. dazu Anmerkung Q-(1).). Der ganze Ausdruck würde dann übersetzt mit "alle ihre Gesichter wurden also vollendet".

T-(2) chiquech – "für sie"

Die Formulierung ist sehr knapp gehalten, mit "sie" sind natürlich die Xibalbaner gemeint, denen es lieber gewesen wäre, daß die Heldenzwillinge ihre Namen nicht erfahren hätten.

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3.2.2 Erzählanalyse

Eine Erzählanalyse läßt sich sowohl vom inhaltlichen erstellen, als auch durch bestimmte Partikeln, die im Poopol Wuuj der Strukturierung von Erzählungen dienen. Beides kann sich ergänzen, es ergeben sich aber auch Diskrepanzen. Hier zeigt sich, daß einzelne Episoden nicht isoliert betrachtet wurden, sondern innerhalb der Erzählung bestimmte Abschnitte bilden, dies zeigen sehr deutlich die strukturierenden Partikeln. Aus diesem Grund soll auch mit der Analyse bei Gelegenheit eine Beschreibung der Partikeln erfolgen.

Zu diesen die Handlung strukturierenden Partikeln zählen cate, ta und quehe (Dürr 1987: 259f., 353f.) sowie die der modalen Deixis dienenden Enklitika chic, cut (bzw. cu) und (nai)puch (Dürr 1987: 360f.). Im Verlauf der folgenden Erzählanalyse wird bei Bedarf näher auf die spezifischen Bedeutungen dieser Partikeln eingegangen.

Die Episode beginnt mit einer kurzen Orientierung (Abschnitt A, Zeilen 27-29), in der die Hauptakteure eingeführt werden und wo sie sich befinden ("sie stiegen hinab nach Xibalba", vgl. auch Schultze Jena 1944: 41f. für eine erste topographische Beschreibung von Xibalba). Ihre Namen und ihr Grund nach Xibalba zu gehen werden nicht erwähnt, dafür ist die Kenntnis der vorangegangenen Abschnitte erforderlich. Tatsächlich beginnt die Episode mit der Partikel ta, welche die Kontinuität eines Handlungsablaufs anzeigt (Dürr 1987: 354) und die hier nach einer Unterbrechung (10(10) Bei der Unterbrechung handelt es sich um den kleinen Einschub mit den wahrzeigenden Rohren, welche die Zwillinge im Hause ihrer Großmutter pflanzen (Schultze Jena 1944: 71).) die Episode mit der Einladung der Xibalbaner zum Ballspiel durch die Laus (Schultze Jena 1944: 67) wieder aufgreift. Aus diesem Grund ist es nicht notwendig, daß noch einmal explizit Hunahpu und Xbalanque als primäre Diskurstopik erwähnt werden und warum sie zur Unterwelt hinabsteigen.

Dieser kurzen Einführung folgt die Handlungskomplikation, die den größten Teil dieser Episode einnimmt (Abschnitt A, ab Zeile 29) und die sich zunächst im Großen und Ganzen bis zum Ende von Abschnitt P fortsetzt. Sie wird in sich wiederum durch die oben aufgeführten Enklitika der modalen Deixis strukturiert. So leitet cut in Abschnitt B, Zeile 33, ein neues Ereignis ein, nämlich daß die Zwillinge an die beiden Flüsse herankommen, die ihnen zum Verhängnis werden sollten, nachdem bis zum Ende von Abschnitt A noch davon berichtet wurde, was sie am Eingang von Xibalba vorfanden. – Wie auch die Einträge in der Wörterliste zeigen, dient cut nicht nur dazu, im weitesten Sinn eine zeitliche Abfolge anzuzeigen (vgl. Dürr 1987: 363f.), sondern besitzt auch die Funktion Folge, Zweck und andere Einbeziehungen und logische Verknüpfungen zu signalisieren. Aufgrund dieser großen Varianz im Gebrauch kann die textuelle Funktion nicht genauer spezifiziert werden (Dürr 1987: 364). Zwei Beispiele sollen den typischen Gebrauch daher illustrieren:

xeicou chicut pa puhia pa quiquia
"Sie kamen dort dann heran an den Eiterfluß, an den Blutfluß" (Abschnitt B, Zeile 33 f.)

chiri cut xquitac vi hun chicop
"Da also schickten sie ein kleines Tier los" (Abschnitt D, Zeile 40 f.)

Die Handlungskomplikation wird weiter bis Abschnitt E, Zeile 1 geführt, wo mit ta das Hauptgeschehen der Episode eingeleitet wird, nämlich das Eintreten der Stechmücke auf dem schwarzen Weg und das anschließende Beißen der Xibalbaner nachdem sie von den Zwillingen instruiert worden ist. Im Gegensatz zum ta in Abschnitt A tritt die Partikel hier auf, um Kontinuität zu betonen. An dieser Stelle zeigt sich sehr deutlich, daß ta mit dem vorausgehenden Satz eine Einheit bildet und eine zeitliche Kontinuität durch unmittelbare Aufeinanderfolge bildet (Dürr 1987: 354).

Im folgenden, als die Mücke den Kreis der Xibalbaner erreicht hat und mit der Ausführung ihres Auftrages beginnt, wird die Handlungskomplikation bis zu ihrem vorläufigen Ende in Abschnitt P weitergeführt. Die Mücke beißt nacheinander vierzehn mal zu, zweimal eine Attrappe und zwölf mal die echten Xibalbaner. In einer weitestgehend parallel konstruierten Aufzählung (11(11) Zu den Couplet-Strukturen und parallelen Konstruktionen vgl. Kapitel 3.2.3.) werden ta und chic dazu verwendet, einen hochdynamischen Ablauf zu strukturieren und Vor-, Gleich-, und Nachzeitigkeit anzuzeigen. Lediglich in den Abschnitten E und F zu Beginn der Aufzählung weicht die Konstruktion stark ab, vielleicht ein stilistisches Mittel, um die zu Anfang herrschende Verwirrung im Kreis der Xibalbaner anzuzeigen, ebenso in Abschnitt P, als die letzten beiden Fürsten gebissen werden. Als Beispiel sei Abschnitt L herausgegriffen:

Der elfte Fürst, Chamiabac, fragt den zehnten, Chamiaholom, was ihn gebissen hat. Nach seiner wörtlichen Rede taucht eine strukturelle Verbindung von chic und ta im nachfolgenden Satz auf. Chic besitzt hier die Bedeutung "noch", das anschließende ta ist als Partikel zur Hervorhebung der Kontinuität anzusetzen. Direkt im Anschluß an diese Aussage taucht chic ein zweites mal auf, hier in der Bedeutung "schon" und mit einem größeren semantischen Feld versehen. Im Zusammenspiel mit der Ordinalzahl, dem Bezugswort der Partikel, wird angezeigt, daß eine ähnliche oder identische Handlung vorher schon einmal geschehen ist und im Erzähltext bereits erwähnt wurde (Dürr 1987: 361), nämlich das wiederholte Beißen aller Fürsten. Diese exemplarisch herausgegriffene Abfolge von Partikeln zeigt an, daß zwei Handlungen parallel verlaufen.

Mit Abschnitt Q wird die Handlungskomplikation unterbrochen. Die hier vorliegende Zwischenbilanz wird eingeleitet durch die Partikel quehe, die häufig solche Zwischenzusammenfassungen oder auch den Abschluß einer Erzählung einleitet und in diesem Fall das Ergebnis einer Erzählung präsentiert (Dürr 1987: 259f.). In diesem Absatz wird das Resümee der Abschnitte F bis P gebildet, nämlich daß die Xibalbaner ihre Namen nannten, als sie gebissen wurden. Das ta in Zeile 4 des Abschnittes tritt hier in einer konsekutiven Konstruktion auf (vgl. Dürr 1987: 356).

Abschnitt R beginnt durch die Einleitung mit der Partikel cate, die dazu dient, den Handlungsablauf zu unterbrechen und den Einsatz eines neuen Handlungsstrangs zu markieren (Dürr 1987: 353f.). Über ein cut zur Anzeige der zeitlichen Abfolge wird der neue Abschnitt mit einem nachfolgenden ta mit dem vorausgehenden in Beziehung gesetzt. Aufgrund dieser Verbindung sollen auch nachfolgende Abschnitte in der Erzählanalyse dieser Episode zugerechnet werden. Die Abschnitte R und S bilden gewissermaßen noch eine Fortführung der Handlungskomplikation mit Bezugnahme vor allem auf Abschnitt E, da die Zwillinge den Xibalbanern erklären, das der zu grüßende Fürst in Wirklichkeit eine Attrappe ist. Wiederum durch ein ta angebunden ist die Begrüßung durch die Zwillinge und die Auflistung aller Namen.

Erst mit Abschnitt T folgt das eigentliche Resultat, indem noch einmal resümiert wird, daß sie in den Kreis der Xibalbaner eintraten und ihre Namen offenbart hatten. Im letzten Satz, beginnend in Zeile 25, manifestiert sich die Evaluation als Koda.

Nach dem Abschluß der Episode (hier nicht mehr wiedergegeben) folgt noch ein kleines "Zwischenstück" mit einem neuerlichen Trick der Xibalbaner (12(12) Den Zwillingen wird geheißen, sich auf eine Bank zu setzen. Die aber wird von ihnen als glühender Stein entlarvt (Schultze Jena 1944: 75).) und ihnen wird befohlen in ein Haus zu gehen. Erst danach beginnt eine neue Episode (13(13) Auch dieser neue Handlungsstrang wird durch cate eingeleitet, bleibt aber trotzdem durch die Partikelfolge cut und ta mit dem zuvor gesagten verbunden und bestätigt erneut die dadurch angezeigte zeitliche Kontinuität.), nämlich ihr Eintritt in das Haus der Finsternis als erste Prüfungsstätte.

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3.2.3 Couplet-Strukturen

Im Gegensatz zu einem überwiegend elliptischen Topikfaden ist der Handlungsfaden durch eine gewisse Redundanz gekennzeichnet, die sich zu einem großen Teil durch die Couplets realisiert, d.h. durch eine syntaktische Parallelität (vgl. Dürr 1987: 369). Diese Parallelkonstruktionen bestehen meist aus nicht mehr als drei gleichgesetzten Bestandteilen. Bei der Gleichstellung sind mehrere Ebenen zu beachten: auf der untersten Ebene ist ein einzelnes Wort (14(14) Bei den kleineren Einheiten innerhalb eines Satzes kann es sich sowohl um Nominal- als auch um Verbalphrasen handeln.) in zwei Satzteilen parallel gesetzt, auf der obersten können ganze Absätze gleichgesetzt sein. Es ist wichtig festzuhalten, daß diese Einheiten semantisch eine Einheit bilden und einen gemeinsamen Bezug haben. An Paarungen finden sich sowohl synonyme, metonyme als auch antonyme Begriffe (15(15) Die Begriffe können auch mehr als ein Wort umfassen und in einigen Fällen auch als lexikalisierte Metaphern oder idiomatische Wendungen beinhalten. Auch können pars pro toto-Begriffe auftreten.) (Dürr 1987: 369).

Was diese Couplets so bedeutend macht, ist ihre Rolle in der K’ichee’-Rhetorik. Die Quantität von Couplets charakterisiert den Diskurstyp und den formalen Grad des Textes bzw. der Rede (Dürr 1987: 370), d.h. sie haben eine, wenngleich nicht ausschließlich, exophorische Funktion. Je mehr Redundanz ein Text oder eine sprachliche Äußerung aufweist, desto formeller ist die Situation. Das Poopol Wuuj nimmt als traditionelle Erzählung eine Mittelstellung ein (Dürr 1987: 370), jedoch kann je nach aktueller Situation die Häufung von Parallelkonstruktionen schwankend sein. Im eigentlichen Erzähltext, aus dem auch die vorliegende Episode stammt, kommen sie nur vereinzelt und in angedeuteter Form vor. Auch wenn Couplets vornehmlich gebraucht werden, um einen gleichen Sachverhalt in ähnlicher Weise nochmals auszudrücken, soll der Begriff hier ein wenig weiter gefaßt werden, nämlich daß durchaus unterschiedliche Aspekte parallel gesetzt werden können, wie auch die Beispiele unten zeigen. Der gemeinsame Bezug ist jedoch immer gegeben.

In einigen Fällen werden Parallelsetzungen dazu benutzt, um eine chronologische Abfolge von Ereignissen zu bilden, wobei Vor-, Gleich- und Nachzeitigkeit angedeutet sein kann. Deskriptive und narrative Kontexte müssen sich gegenseitig aber nicht ausschließen. Im ersten Beispiel kommt zusätzlich die Verwendung von Redundanz zur Thematisierung einer Episode zum Tragen (vgl. Dürr 1987: 374). Wie sich zeigt, müssen nicht unbedingt statisch-deskriptive Abschnitte vorliegen:

xecahchi xibalba libah chi xecah chua cumuc
"Sie stiegen hinab nach Xibalba, sofort schon stiegen sie hinab gegenüber von Felsenklippen." (Abschnitt A, Zeilen 28-30)

xeicou chivicut chupan halha zivan xachuxol g¸iquin xeicou vi ...
"Sie kamen vorbei, wo dort im Innern eine sich teilende Flußschlucht ist; nur zwischen Vögeln gingen sie vorbei ..." (Abschnitt A, Zeilen 30-32)

Wie die beiden Beispiele sehr schön zeigen, ist die Parallelisierung hier sehr vielschichtig realisiert worden. Neben der Gleichbehandlung der Verbalphrasen sind hier verschiedene Örtlichkeiten (16(16) Das erste Beispiel ist in dieser Hinsicht problematisch, weil die Vorstellungen über Xibalba unklar sind. Der Verweis auf die Klippen kann durchaus ein direkter Bezug auf die Unterwelt selbst sein und nicht nur ein topographisches Detail darstellen.) mit unterschiedlichen spezifischen Präpositionen nebeneinander gesetzt worden. Die zweite Textstelle weist überdies noch eine Besonderheit auf: die Verbalphrasen sind über Kreuz gesetzt und bilden eine Klammer um den Ausdruck.

Die meisten Vorkommen von Redundanz bzw. Parallelkonstruktionen in der vorliegenden Passage beziehen sich auf Aufzählungen. In diesem Zusammenhang zeigt sich auch die größte Varianz in Bezug auf die Ebenenverteilung. Folgende Beispiele sollen dies verdeutlichen:

... qui be xibalba quecabe zaquibe, cacabe, raxabe
"... die Wege von Xibalba: den schwarzen Weg, den weißen Weg, den roten Weg und den grünen Weg" (Abschnitt C, Zeilen 38-40)

calata huncame, calata vvcubcame, calata xiquiritap calata cuchumaquic. calata ahalpuh, calatal ahalcana, calata chamiabac, calata chamiaholom, calata calaxic, calata patan, calata quicre, calata quic pixcac
"[Sei] umarmt, Hun Came; umarmt, Vvcub Came; umarmt, Xiquiripat; umarmt, Cuchumaquic; umarmt, Ahalpuh; umarmt, Ahalcana; umarmt, Chamiabac, umarmt, Chamiaholom; umarmt, Calaxic [Quicxic]; umarmt, Patan; umarmt, Quicre; umarmt, Quicrixcac." (Abschnitt S, Zeilen 15-22)

Den größten Fall von Redundanz, der hier aus Platzgründen nicht noch einmal wiedergegeben werden soll, ist das Stechen der Fürsten von Xibalba durch die Mücke in den Abschnitten G bis O (17(17) Abschnitt E zählt in engerem Sinn nicht hierzu, da die Xibalbaner als sekundäres Diskurstopik hier erst etabliert werden und sich noch einige Unregelmäßigkeiten zeigen, mit Abschnitt P ist Aufzählung zu Ende und es kommen somit einige wesentliche Elemente nicht mehr vor.). Bis auf die Namen und Ordinalzahlen und einige Ausnahmen bezüglich der Verwendung und Verteilung von Partikeln sind alle Abschnitte identisch aufgebaut.

Das folgende Beispiel zeigt noch eine andere wichtige Funktion von Couplets, nämlich daß durch Gleichsetzung und das häufige Wiederholen von Wörtern bzw. Phrasen die Wichtigkeit einer Information hervorgehoben und Hintergründe oder Details erwähnt werden sollen (Dürr 1987: 376f.):

quehe cut vbixic quibi ri xquibijh conohel chi quibil quib, xquicut vvach xquibijh qui bi
"Auf die geschilderte Art war nunmehr das Genannt werden ihrer Namen, sie nannten es alle untereinander, sie legten dar ihr Gesicht, sie nannten ihre Namen." (Abschnitt Q, Zeilen 44-47)

In dem hier wiedergegeben Zitat, welches nur den Anfang des Abschnittes darstellt, wird ausführlich dargelegt, daß die Xibalbaner (unfreiwillig) alle ihre Namen nannten, was die Zwillinge zu ihrem Vorteil nutzten. Dieser Abschnitt stellt somit ein Schlüsselelement zum Verständnis der Episode dar, was in Abschnitt T durch eine dreiteilige Konstruktion nochmals aufgegriffen wird:

ronohel xquiz cut vvach xquibijh vbi ronohel mahabi hun xquizach vbi
"Allgemein wurden vollendet also ihre Gesichter, sie nannten alle ihre Namen, mitnichten vergaßen sie einen ihrer Namen." (Abschnitt T, Zeilen 23-25)

Das durch eine redundante Konstruktion im Resultat der Episode noch einmal das Nennen der Namen hervorgehoben wird, zeigt einmal mehr die Wichtigkeit dieser Aktion für die Episode.

Was die wörtliche Rede betrifft, so weist sie, bis auf die Ausnahme der Aufzählung in Abschnitt S, nur wenige Belege für Redundanz oder gar Couplets auf. Das deutlichste Beispiel ist hierfür noch die Anweisung der Zwillinge an die Stechmücke:

huhunal queatio nabe chati ri nabe cubulel chatzaconizah quitiic conohel
"Jeden beißt Du: Zuerst beiß den ersten Sitzenden, Du sollst es sein, die machen läßt, daß er gebissen wird und sie alle." (Abschnitt D, Zeilen 42-45)

Es ist auch hier zu vermuten, daß die Redundanz hier auftritt, um dem Befehl eine besondere Bedeutung zu geben und auch seine Bedeutung hervorzuheben, ähnlich wie das oben erwähnte Nennen der Namen.

Zusammenfassend kann man festhalten: Redundanz, besonders in der Form von Couplets, kommt nur vereinzelt in der vorliegenden Episode vor. Sie ist wenig formal geschrieben und entspricht somit dem für eine traditionelle Erzählung festgelegtem Durchschnitt. Redundanz hat hier eher endophorischen Charakter, d.h. statt vornehmlich den Diskurstyp zu bestimmen, dienen sie eher der relativen Hervorhebung von Informationen. Besonders im Falle der Namensnennung sollte hier ein Vorgang gegenüber den Aktanten stärker in den Vordergrund gestellt werden.

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3.3 Interpretation der Passage

Zwei Punkte sollen in der Interpretation der Passage abgehandelt werden. Zum einen wird eine allgemeine Deutung die Motivation für diese Episode klären. Zum zweiten soll die Identität der Stechmücke geklärt werden, deren Funktion (s.u.) mit einem übergeordneten Konzept erklärt werden kann.

3.3.1 Allgemeine Interpretation

Die allgemeine Interpretation der Textstelle soll nur kurz erfolgen, da einige Punkte bereits in den vorangegangenen Kapiteln bereits angeklungen sind. Wie bereits mehrfach erwähnt, bildet die Preisgabe der Namen der Xibalbaner das zentrale Motiv. Mit ihrer Hinterlist, die wie alle Gegenmaßnahmen der Zwillinge mit humoristischen Aspekten und einer gewissen Ironie ausgeführt wird, erreichen sie zweierlei: sie decken die Falle mit den beiden Holzfiguren auf, mit der ihre Väter lächerlich gemacht wurden (vgl. Schultze Jena 1944: 43) und erfahren schließlich die Namen. Es offenbart sich hier ein antagonistisches Prinzip. Alle Täuschungen, welche die Xibalbaner sich für Hunahpu und Xbalanque ersinnen, werden von diesen erkannt und sie haben stets eine passende Antwort darauf, mit welcher sie die ahnungslosen und selbstsicheren Fürsten überrumpeln.

Für die Zwillinge ist das Wissen um die Namen aus zweifacher Hinsicht von Bedeutung. Durch die Kenntnisnahme der Namen bekommen Hunahpu und Xbalanque Macht über den Kreis den Xibalbaner. Durch eine Bezeichnung hebt sich eine Person aus der kollektiven Masse als Individuum hervor und die Zwillinge erlangen einen Informationsvorteil, da sie sich den Xibalbaner erst zu einem späteren Zeitpunkt offenbaren (vgl. Schultze Jena 1944: 97). Aus diesem Grund wird auch im Resultat der Episode in Abschnitt T explizit gesagt, daß die Fürsten lieber anonym geblieben wären. Insofern ist es auch eine Demütigung für die Xibalbaner, daß sie von den ankommenden Zwillingen in Abschnitt S mit ihren Namen angesprochen und begrüßt werden.

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3.3.2 Die Stechmücke als alter ego

Wie es im Kapitel über die Methodik bereits angeklungen ist, ist es für das Poopol Wuuj als singuläre Quelle schwierig, vergleichende Methoden für die Interpretation anzuwenden. Das herausgegriffene Beispiel ist allerdings epigraphisch, ikonographisch, ethnohistorisch und ethnographisch für das Maya-Gebiet belegt und ist eines der meist verbreiteten Konzepte im mesoamerikanischen Raum. Für die klassische Maya-Kultur ist es als way (18(18) Für eine zusammenfassende Darstellung siehe Houston & Stuart 1989.) bekannt, für die Azteken ist es mit den (teilweise synonymen) Begriffen tonal und nagual (19(19) tona-lli (mit Possessiv) – „das Zeichen, in dem Jemand geboren wird, die Seele, der Geist, ...“ und nahual-li – „Hexe“ (Buschmann & Humboldt 2000: 478, 285)) verbunden (Foster 1944: 103). Danach ist ein tonal ein geistiger Begleiter, der mit seinem Besitzer in einer durch Schicksal verbundenen Beziehung steht und der die persönlichen Charakteristika seines Besitzers reflektiert. Das nagual ist wesentlich unheilvoller in seiner Bedeutung und bezeichnet die Fähigkeit einer Person, die Form eines zumeist gefürchteten Tieres anzunehmen, das auszieht um Menschen zu erschrecken, zu verletzen und zu töten. Stuart und Houston (1989: 1) versuchen, diese Eigenschaften des alter ego unter dem Term "co-essence" zu vereinen. Im folgenden soll aufgezeigt werden, daß es sich bei der Stechmücke, welche die Zwillinge aussenden, um ein solches alter ego, präziser um ein nagual handelt.

In vielen Maya-Sprachen bedeuten die entsprechenden Varianten der yukatekischen Wortwurzel way im allgemeinen "schlafen" oder "träumen" (20(20) Für eine Zusammenstellung verschiedener Wörterbucheinträge unterschiedlicher Maya-Sprachen siehe Houston & Stuart (1989: 5).), aber auch bestimmte Wörter und Eigenschaften, die ein alter ego ausmachen. Die entsprechende Wurzel im K’ichee’ lautet war, für die sich folgende Liste von Einträgen und Ableitungen zusammenstellen läßt, die denen anderer Maya-Sprachen ähnlich ist:

varah keep watch over or with, keep company, sleep, rest (a)
varabal
warab’al
warib’al
bedroom, cell, liar (a)
Schlafzimmer, Bett; Unterkunft, Behausung (b)
Unterkunft, Behausung, Schlafstatt (c)
varam
waraam
slumber, guarded, dream (a)
Müdigkeit (b, c)
varik
warik
sleep, slept (a)
schlafen (b, c)
warisaaj ermüden, zum Schlafen bringen (b, c)

(a) Edmonson 1965: 141, (b) Siis Ib’ooy & Sachse 1997: 121, (c) Sachse 2000

Tabelle 3: Ableitungen der Wortwurzel war "schlafen"

Sehr gut läßt sich varah mit dem Konzept des alter ego in Verbindung bringen, wie die Bedeutungen "keep watch over or with" und "keep company" zeigen (21(21) Tatsächlich werden zur Bezeichnung eines way im Sinne des yukatekischen Wortes im K’ichee’ andere Ausdrücke verwendet, wie alaxic (Edmonson 1965: 7), vgl. Fußnote 3.). Die deutlichste Verbindung von way mit einem "co-essence" zeigt jedoch, wenn auch durch die christliche Voreingenommenheit der Spanier belastet, die Übersetzung aus dem Motul-Wörterbuch des kolonialzeitlichen Yukatekisch: dort wird vaay die Bedeutung "familiar que tienen los nigromanticos, bruxos o hechizeros" und, daß ist für die nachfolgende Interpretation sehr bedeutsam, "que es algun animal que por pacto que hazen con el demonio se conuierten fantasticamente y el mal que sucede al tal animal" (Ciudad Real [1577] 1984: f. 439v) gegeben. Obwohl man mit diesem Beispiel wieder eine der oben angemahnten Beziehungen in Zeit und Raum herstellt, läßt sich diese Beschreibung meines Erachtens sehr gut auf die Situation im Poopol Wuuj übertragen, da sich bereits gezeigt hat, daß das Konzept des way (22(22) Aufgrund seiner Verwendung im epigraphischen Bereich und seiner Verbindung zur Ikonographie soll yukatekische Bezeichnung im Rahmen dieser Diskussion weiter benutzt werden.) ein pan-mesoamerikanisches Phänomen ist. Daher sollen auch weiterhin dem Poopol Wuuj und dem guatemaltekischen Hochland "fremde" Quellen herangezogen werden.

Es stellt sich nun die Frage, welche Gründe für die Interpretation der Stechmücke als way sprechen. Der Text ist eigentlich selbstredend. Beim ersten Auftreten der Mücke in Abschnitt D ist noch kein Hinweis auf ihre Identität gegeben, es wird lediglich gesagt: "Da also schickten sie ein kleines Tier los...". Erst nachdem alle Fürsten ihre Namen genannt haben wird im Rahmen der Zwischenbilanz von Abschnitt Q gesagt, daß sie ihre Identität preisgaben, als sie von einem Haar von Hunahpus Schienbein gebissen wurden und in Wirklichkeit keine Mücken in ihrem Auftrag unterwegs waren. Auffällig ist mit x-e-ti-ov-ic die Verwendung des Plural, der aber mit x-Ø-be nicht konsequent weitergeführt wird (vgl. auch Anmerkung Q-3). Es ist zu vermuten, daß der Plural hier gewählt wurde, um die Wichtigkeit der Informationen für beide Zwillinge hervorzuheben und um evtl. nochmals einen Rückbezug zu Abschnitt D herzustellen, wo ebenfalls gesagt wird, daß beide die Mücke los schickten.

Mit der Aussage, daß es sich bei der Mücke in der Tat um ein Körperteil von Hunahpu handelt, werden zwei Dinge deutlich. Es handelt sich um eine Transformation des Haares in ein dem nagual entsprechenden way, den Hunahpu bei Bedarf heraufbeschworen hat und der jetzt im Auftrage seines Besitzers, als körperlich losgelöster aber immer noch durch die Sinne verbundener Bestandteil, als Spion tätig ist. Aufgrund des heutigen Verständnisses ist auch die Kernaussage des folgendes Zitats von Girard (1972: 158) nicht mehr zu halten: "Esta explicación define perfectamente la técnica mágica de lanzar sortilegios a distancia, cuales dardos invisibles que pican como el xam, pero en realidad expresan el poder mágico personal del hechicero.", der anscheinend eine unsichtbare Kraft dahinter vermutet und Hunahpu als den "Erfinder" dieser "Methode". – Zweitens ist zu erkennen, daß der indianische Informant sich durchaus der Tatsache bewußt war, daß die Mücke kein echtes Tier war, sondern erst durch die Macht Hunahpus materialisiert wurde.

Da die Mythen um die Heldenzwillinge des Poopol Wuuj anscheinend auf alte, bis mindestens in die Klassik zurück reichende Wurzeln gründen, könnten sich szenische Darstellungen aus dieser Zeit finden, welche diesen Vorfall widerspiegeln. Aufgrund seiner großen thematischen Vielfalt bietet sich der Korpus von Keramikgefäßen (Kerr 2001) für einen Vergleich an und wegen ihrer Wichtigkeit kann man die Szene des Stechens auch auf Keramiken vermuten. Zahlreiche mehr oder weniger glaubwürdige Versuche, die Heldenzwillinge für die Klassik epigraphisch und ikonographisch zu identifizieren (vgl. hierzu u.a. Coe 1973: 98f., 1989: 165f., Lounsbury 1980, Schele & Miller 1986: 51, Kerr 2000: 2), haben stattgefunden. Untersucht man den Korpus hinsichtlich des Auftretens dieser sogenannten Zwillinge bzw. der Unterweltsgottheiten zusammen mit Insekten, gelangt man zwar zu einigen Ergebnissen, keines dieser Insekten ist aber eine Stechmücke, noch wird eine Szene der Textpassage dargestellt (23(23) Ein viel zitiertes Beispiel für den Zusammenhang zwischen dem Poopol Wuuj und Darstellungen auf Keramiken ist die Opferung Hunahpus als Schauspiel für die Xibalbaner (Schultze Jena 1944: 95), vgl. hierzu u.a. K521, K1003, K1152, K1199, K1644, K1815, K2207, K2208, K3201, K4056 und K4486 (siehe auch Lounsbury 1980: Fig. 6, S. 53f.). Auffällig ist nur, daß der GIII „Baby Jaguar“ (Schele & Miller 1986: 51), die klassische Form von Xbalanque, geopfert wird, da der Text des Poopol Wuuj Hunahpu als das Opfer beschreibt.).

Aber wie realisieren sich überhaupt Darstellungen als wayo’ob? Für gewöhnlich sind way-Figuren auf Maya-Keramiken (auf denen sie aber nicht ausschließlich vorkommen) durch hieroglyphische Beischriften identifizierbar, die nach einem Standardschema aufgebaut sind. Nach der Bezeichnung des way folgt ein Glyphenblock, der in seiner grundsätzlichen Konfiguration aus T1.539 bzw. T1.572 für u-WAY (Houston & Stuart 1989: 2) besteht. Den Abschluß bildet die Bezeichnung seines "Besitzers" (24(24) Besitzer ist in diesem Zusammenhang ein diffuser Begriff, da oftmals Toponyme (vgl. Calvin 1997) oder, wie oftmals die reine Angabe von (k’uhul) ahaw zeigt, ganze Lineages Besitzer sein können.). Aber auch eine spezifische Ikonographie läßt die Unterscheidung zu, und erlaubt es sogar beim Fehlen von hieroglyphischen Texten aufgrund von diagnostischen Attributen eine Identifizierung vorzunehmen.

Leider nehmen Insekten als generische Kategorie nur einen geringen Teil auf Keramiken ein, sie tauchen auf etwa 2% des gesamten Korpus auf. Grube und Nahm (1994: 704) listen in ihrer Erhebung nur ein Insekt als way, ah chak xu, die "Rote Blattschneiderameise" auf. Unabhängig davon tauchen auf zwei Keramiken, K2759 und K8007, Darstellungen von Stechmücken (Abbildungen 1 und 2) auf, die aber nicht durch Beischriften namentlich und als wayo’ob identifiziert werden können.


Abbildung 1: Darstellung einer anthropomorphen Stechmücke von einer polychromen Keramik, Klassikum. Kerr #2759. Zeichnung: Sven Gronemeyer, nach einer fotografischen Abrollung. Abbildung 2: Darstellung eines anthropomorphen Zweiflüglers, wahrscheinlich einer Mücke von einer polychromen Keramik. Kerr #8007. Zeichnung: Sven Gronemeyer, nach einer fotografischen Abrollung.

Der Randtext auf K2759 enthält kein Logogramm WAY, K8007 ist nur mit einer nicht-motivbezogenen Primären Standardsequenz (vgl. Grube 1986) beschriftet. Trotzdem kann man hinsichtlich der Identität der Figuren einige Aussagen treffen, die sie nicht als die reine Wiedergabe von Tieren erscheinen lassen.

Beide Darstellungen sind anthropomorph und lassen sich aufgrund ikonographischer Attribute in einen unterweltlichen und den wayo’ob nahestehenden Bereich einordnen. Dazu gehören der Schmuck aus Totenaugen, der skelettierte Torso und Gliedmaßen in Abbildung 1 und die Ak’bal-Markierungen auf Stirn und Flügeln in Abbildung 2. Der Kontext auf K2759 zeigt darüber hinaus noch drei weitere, teils anthropomorphe Tierfiguren: ein Iguana, einen Hirsch und ein Gürteltier. Die Mücke (25(25) Die Identifizierung als Mücke beruht auf dem, anders als bei Fliegen, langgezogenen Hinterkörper. Das Fehlen des Stechwerkzeuges, wie es in Abbildung 1 deutlich dargestellt ist, muß dabei nicht stören: wie die Verwendung von „Beißen“ im vorliegenden Text zeigt, schien es für die Maya unwesentlich zu sein, welcher Körperteil Blut saugt.) auf K8007, die mit drei motivisch identischen Figuren den Bildschmuck auf dem Gefäß bildet, raucht überdies eine Zigarre, aus der zwei große Rauchvoluten austreten. Rauchen bildet innerhalb des Korpus zumeist eine Tätigkeit, die von menschlichen Wesen ausgeführt wird.

Abschließend bleibt festzustellen, daß sich aus dem Text heraus die Stechmücke als ein way von Hunahpu interpretieren läßt, die Episode der vorliegenden Textpassage trotz inhaltlicher Verbindungen des Poopol Wuuj zur Klassik singulär bleibt. Vereinzelte Darstellungen von Stechmücken auf klassischen Keramiken bleiben epigraphisch und ikonographisch isoliert und lassen sich trotz vielsagender Anhaltspunkte nicht eindeutig als way-Charaktere identifizieren. Eine Verbindung und Weiterführung von Elementen der klassischen Maya-Kultur in und zum Poopol Wuuj lassen sich für diese Episode nicht nachweisen.

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4. ANALYTISCHES WÖRTERVERZEICHNIS

4.1 Abkürzungen

Folgende Übersicht bietet alle Abkürzungen für die morphologische Analyse, wie sie im Wörterverzeichnis, Spalte 3, vorkommen. Links sind alle Wortarten alphabetisch aufgeführt, rechts alle Morpheme, nach den Untergruppen Aspekt, Person und Modus, Spezifizierung für Relationales Substantiv und Art der Derivation sortiert. Zur Angabe des Nullmorphems für 3sAbs wird Ø verwendet. In speziellen Fällen wird für das Modalsuffix ein spezifischere Angabe wiedergegeben, wie etwa –DerPss für das Modalsuffix von passiven Verben.

Wortarten und syntaktische Kategorien Morphologie und Morphosyntax
ADJ Adjektiv Imp Aspektpräfix: Imperativ
ADV Adverb Ink Aspektpräfix: Inkompletiv
DEM Pronomen: demonstrativisch Kom Aspektpräfix: Kompletiv
DIR Direktional 1, 2, 3 Person: 1., 2., 3.
INJ Interjektion -s, -p Numerus: Singular, Plural
INT Pronomen: interrogativisch -Abs, -Erg Pronominalreihe: Absolutiv, Ergativ
KON Konjunktion Ø Nullmorphem
NUM Numeral Mod Modalsuffix
POS Positionalwurzel Dat Dativ
PRÄ Präposition Kau  Kausativ
PRT Partikel PosBen  unabhängiger Possessiv, Benefikativ
PRO Pronomen: personalisch Der Derivationsaffix
REL Relationales Substantiv -Adj Adjektivierung allgemein
SUB Substantiv -Agv Agentiv
VIT Verb: intransitiv -Aps, -Pss Antipassiv, Passiv
VTD Verb: deriviert transitiv -Ins, -Lok Instrumental, Lokativ
VTR Verb: wurzeltransitiv -Kau Kausativierung
    -Sub Substantivierung allgemein
    -Ver Verbalisierung allgemein

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4.2 Wörterverzeichnis

Die Sortierung der Wörterliste erfolgt aus praktischen Gründen dem lateinischen Alphabet entsprechend, da die kolonialzeitliche Orthographie nicht immer eine eindeutige Zuordnung zu einem bestimmten Phonem und Graphem des modernen K’ichee’-Alphabets zuläßt. Lediglich <ch>, <g¸>, <gh>, <qu> und <tz> werden als eigenständige Zeichen aufgefaßt und entsprechend in die alphabetische Reihe einsortiert.

 

A B C CH E G GH H L M N P QU R T U V X Z

 

Hinweis: Tabelle sortierbar

Originale
Orthographie
Moderne
Orthographie
Morphologische
Analyse
Übersetzung
A A A
ahalcana Ahalcana SUB Eigenname: Ahalcana
ahalpuh Ahalpuh SUB Eigenname: Ahalpuh
aham ajam VTD-DerAdj geschnitzt, (aus Holz) gemacht
ahamche ajam chee’ VTD-DerAdj SUB siehe aham und che
ahau ajaaw SUB Herr, Herrscher, Patron
ahi aji INJ Au! (Schultze Jena 1944: 210), wird aber auch von Ximénez (1973: f. 24r) mit "ay" übersetzt
apanoc apanoq DIR in irgendeine Richtung, zu einem anderen Ort
aqui aki INJ Nanu!, Huch! (Schultze Jena 1944: 213)
are (1) are, (2) are’, (3) a’re’ (1) PRT, (2, 3) PRO (1) als Bestandteil div. Partikel, (2) er/sie/es, (3) sie (Pl.)
B B B
be b’ee SUB Weg
bi b’i’ SUB Name
bijn bi-n VTD-DerAps das Nennen, Genannt werden (zur Orthographie vgl. Dürr 1987: 43)
C C C
ca k’a ADV bis
caca kaqa ADJ rot
cacabe kaqa b’ee ADJ SUB siehe caca und be
cahib kajiib’ NUM vier
calata q’a’-l-a’-ta POS-DerAdj-DerVer-DerAdj siehe calatal
calatal q’a’-l-a’-tal POS-DerAdj-DerVer-DerAdj (wiederholt) umarmt, vom Positional q’al (Edmonson 1965: 95), vgl. Kommentar
calaxic Calaxic SUB Eigenname: tritt hier an die Stelle von Quicxic
came kame SUB Tod
camol qam-ol VTR-DerAgv Führer, eigentlich "Bringer" (Edmonson 1965: 106)
cate kate PRT darauf, danach, dann, später, nachher
catecut kate k’ut PRT PRT siehe cate und cut
cautalic ka’u-tal-ik VTD-DerAdj geschmückt, von kauh (Edmonson 1965: 57)
conohel k-onojel 3pErg-ADV (sie) alle, allesamt
cu k’u PRT Vgl. auch k’ut; und dann, denn, nun, also, nunmehr
cubul kub’-ul POS-DerAdj Statives Positionaladjektiv im Satzzusammenhang: sitzend
cubulic kub’-ul-ik POS-DerAdj Statives Positionaladjektiv: sitzend, vgl. cubul
cubulel kub’-ul-eel POS-DerAdjDerVer-DerAgv Sitzender
cuchumaquic Cuchumaquic SUB Eigenname: Cuchumaquic
culel kul-eel VIT-DerAgv der dasitzt, Sitzender (vgl. Edmonson 1965: 63)
cumal k-umaal 3pErg-REL-Kau durch sie
cumuc kumuk SUB Stufe (nach Schultze Jena), Edmonson gibt high place an, was man in Richtung "Abgrund, Klippe" interpretieren kann
curi k’u ri PRT ART siehe cu(t) und ri
cut k’ut PRT Vgl. auch k’u; und dann, denn, nun, also, nunmehr
CH CH CH
chacbal ch’ak-b’al VTR-DerLok Ort der Niederlage, des Sieges, des Niederschlagens, Edmonson (1965: 20) gibt für die Verbwurzel an: defeat, conquer, knock down, surpass, earn, win
chamia bac Chamiabac SUB Eigenname: Chamiabac
chamiaholom Chamiaholom SUB Eigenname: Chamiaholom
chati ch-a-ti’ Imp-2sErg-VTR Modalsuffix –o’ fehlt; beiß es!
chatzaconizah ch-a-tzako-n-isaa-j Imp-Ø-2sErg-VTD-DerAps-DerKau-Mod du sollst es sein, die machen läßt, von tzakoh: form, make, build, create (Edmonson 1965: 132)
chatzubah ch-a-tz’ub’-aaj Imp-Ø-2sErg-VIT-DerKau du sollst es lecken, küssen (Edmonson 1965: 131)
che chee’ SUB Holz, Baum
chi(-vi) chi(-wi) PRT(-PRT) Standardpräposition, vgl. auch pa: dort, von dort, wo, da, in, aus, vor, von, mit, mittels, für
chibijn chi bi-n PRT VTD-DerAps siehe chi und bijn
chic chik PRT schon, noch einmal, wieder, nicht mehr
chicop chikop SUB (kleines) Tier
chicu chi k’u PRT vgl. auch chicut; (1) als eigenständige Verbindung (von chic): schon wieder, abermals, nochmals, (2) als Verbindung aus chi + k’u als jeweils eigenständige Wörter, siehe dort
chicut chi k’ut PRT vgl. auch chicu; (1) als eigenständige Verbindung (von chic): schon wieder, abermals, nochmals, (2) als Verbindung aus chi + k’ut als jeweils eigenständige Wörter, siehe dort
chiholoman chi joloman PRT SUB siehe chi und holoman
chiinel (taq-)chi-n-eel VTD-DerAps-DerAgv bildet mit taq- einen feststehenden Ausdruck: Edmonson (1965: 119) gibt als Bedeutung "Ratschlag" an, Morphologie läßt aber auch "Verführer" zu, vgl. Kommentar
chila chila’ DIR dort, dorthin, hier, von dort her
chique chi-k-e PRT-3pErg-REL-PosBen ihr(e), für sie (Pl.)
chiquech chi k-eech PRT 3pErg-REL-PosBen/Dat ihr(e), für sie (Pl.); wird im Textabschnitt auch für den Dativ gebraucht: ihnen
chiqui chi ki PRÄ 3pErg siehe chi und qui
chi quihila ch-Ø-i-q’ijil-a’ Imp-Ø-2pErg-VTR-Mod grüßt, verehrt, beschwört (im Sinn von anflehen) ihn/sie/es!
chire chi-r-e PRT-3sErg-REL-Dat ihm, ihr
chirech chi-r-eech PRT-3sErg-REL-Dat eigentlich Form für den unabhängigen Possessiv bzw. Benefikativ, hier aber für Dativ: ihm, ihr
chiri chi ri’ PRT da, dort
chirih chi-r-iij PRT-3sErg-SUB (1) als spezifische Präposition: hinter; (2) auf dem Rücken von...
chivi chiwi PRT wo, im Achi vorkommende Form
chivicut chiwi  PRT PRT siehe chivi und cut
chu chu PRT-3sErg Zusammenführung von der Standardpräposition chi und dem Ergativpronomen u: in, an, etc. seiner/seinem, ihrer/ihrem, häufig als Bestandteil von spezifischen Präpositionen
chua ch-u-wa PRT-3sErg-SUB als spezifische Präposition: gegenüber, –wa ist eine Kurzform von vach "Gesicht"
chupan ch-u-pan PRT-3sErg-SUB als spezifische Präposition: in, innerhalb, drinnen, im Innern von
chuxol ch-u-xo’l PRT-3sErg-SUB als spezifische Präposition: zwischen
chuxucut ch-u-xukuut PRT-3sErg SUB siehe chu und xucut
E E E
e e PRO-3pAbs sie
ecautalic e kawtalik PRO-3pAbs ADJ siehe e und cautalic
egovi e k’oo wi PRO VIT PRT siehe e, go und vi
G G G
go k’oo VIT Defektives Verb zur Kennzeichnung eines Zustandes: sein, haben, geben
gux k’u’x SUB Herz
 
g¸iquin tz’ikin SUB Vogel
GH GH GH
gha ch’a’ VIT sagen, sprechen
ghapatan ch’a’ Patan VIT SUB siehe gha und patan
ghavic ch’a’w-ik Ø-VIT-Mod in Verbindung mit Kompletiv: er/sie/es sagte, sprach
ghamia holom Chamiaholom SUB Eigenname: Chamiaholom, wird nur dieses eine mal fälschlicherweise mit <gh> geschrieben, sonst mit <ch>
H H H
ha ja’ SUB Wasser
habi jabi VIT (1) (vorhanden) sein, (2) mit ma negiert: mitnichten, es ist nicht ausgeschlossen, daß...
hal ja’-l POS-DerAdj Statives Positionaladjektiv: (sich) verändernd, teilend, aufteilend, trennend, wechselnd
halha ja’l ja’ ADJ SUB siehe hal und ha
holoman joloman SUB Häuptling, Fürst
huhun jujuun SUB einzeln, einer nach dem anderen, jeder Einzelne
huhunal jujunaal SUB jede(r/s)
hun juun NUM ein(s)
hunahpu Hunahpu SUB Eigenname: Hunahpu
huncame Hun Came SUB Eigenname: Hun Came
hunoc junoq SUB jemand
hunricubul juun ri kub’-ul NUM ART POS-DerAdj siehe hun, ri und cubul
huntac jun taq(-chineel) NUM VTD siehe chiinel
L L L
la la’ PRT dort, jenes, ob, was?!
libah libaj ADJ sofort, augenblicklich (Edmonson 1965: 66), in Verbindung mit chi(k) "sofort schon", was man wie Schultze Jena als "schnell" interpretieren kann
M M M
ma ma PRT nicht, nein
machivi ma chi wi PRT PRÄ PRT siehe ma, chi und vi
mahabi ma jabi PRT VIT siehe habi
mana mana PRT Vgl. auch mata, verstärktes ma: durchaus nicht, überhaupt nicht, nie und nimmer
mata mata PRT Vgl. auch mana, verstärktes ma: durchaus nicht, überhaupt nicht, nie und nimmer
maui ma wi PRT Auch mavi geschrieben, verstärktes ma: ja nicht, aber dennoch, trotzdem, nicht einmal (Schultze Jena 1944: 255)
mi mi PRT ja, ja doch, denn
mixitouic mi x(i)-ti’o-w-ik PRT Kom-Ø-VTR-DerAps-Mod siehe mi, xitiouic und xitovic
mixitovic mi x(i)-ti’o-w-ik PRT Kom-Ø-VTR-DerAps-Mod siehe mi, xitiouic und xitovic
molai mol-ay VTR-DerSub Scharer, Versammler, Edmonson (1965: 73) übersetzt lediglich: a kind of bird
N N N
na na PRT dann, sogleich
nabe, na be nab’ee NUM erste(r/s)
nabecut nab’ee k’ut NUM PRT siehe nabe und cut
naqui nakii INT wer?, was?
naquila nakii-la’ INT-PRT wer?, was? Edmonson (1965: 77) fügt als Zusatzbedeutung hinzu: someone, who’s there?
P P P
pa pa PRÄ Standardpräposition, vgl. auch chi: dort, von dort, wo, da, in, aus, vor, von, mit, mittels, für
pabe pa b’ee PRÄ siehe pa und be
pacahib pa cahib PRÄ NUM siehe pa und cahib
patan Patan SUB Eigenname: Patan
poy poy SUB Puppe, Menschenbild
puch puch KON und, auch
puhia puuj-ya’ SUB-SUB Eiterfluß (ya’ ist eine Achi-Variante von ja’)
QU QU QU
que (1, 2) ke, (3) k-e’ (1) PRT, (2) DEM, (3) 3pErg-RELPosBen (1) Kurzform von quehe: so wie, in der Art von, auf die genannte, geschilderte Art; (2) der/die/das dort; (3) für sie, ihr 
queatio k-e’-a-ti’-o Ink-3pAbs-2sErg-VTR-Mod du beißt sie
queca q’eqa ADJ schwarz
quecabe q’eqa b’ee ADJ SUB siehe queca und be
quehe keje PRT Vgl. auch que: so wie, in der Art von, auf die genannte, geschilderte Art
qui ki PRO-3pErg ihr, sie
quibi ki-b’i’ 3pErg-SUB ihr(e) Name(n)
quibijh ki-b’iij Ø-3pErg-VTD Aspektpräfix fehlt, wohl kompletiver Gebrauch zu erwarten: sie sagten, äußerten, nannten es (zur Orthographie vgl. Dürr 1987: 43)
quibil quib k-ib’il k-ib’ 3pErg-SUB 3pErg-SUB untereinander, bildet mit chi einen feststehenden Ausruck, wörtlich: einer mit dem anderen
quic kik’ SUB Blut
quicre Quicre SUB Eigenname: Quicre
quic pixcac Quicrixcac SUB Eigenname: Quicrixcac, hier einmal falsch geschrieben
quic rixcac Quicrixcac SUB Eigenname: Quicrixcac
quicxic Quicxic SUB Eigenname: Quicxic
quichila [na]kii chila’ INT PRT siehe naqui und chila
quiquel kik’-eel SUB Blut, steht im Text mit 3sErg und besitzt dementsprechend Possessivsuffix –eel 
quiquia kik’-ya’ SUB-SUB Blutfluß (ya’ ist eine Achi-Variante von ja’)
qui ta k-i-ta’ Ink-Ø-2pErg-VTR ihr hört es
quitzih qitziij ADV sicherlich, in Wirklichkeit, gewiß, wahrhaftig 
quiz k’is (1) VTR, (2) ADJ (1) vollenden, beenden; (2) vollzählig
R R R
raxa raxa ADJ blau, grün, türkis
raxabe raxa b’ee ADJ SUB siehe raxa und be
ri (1) ri, (2) ri’ ART, DEM (1) der, die, das, (2) dieses: bekannt, nicht sichtbar; bildet mit einem Artikel eine Klammer um den Bezug: ri/le/we ... ri’
rih r-iij 3sErg-SUB sein Rücken
ripoy ri poy ART SUB siehe ri und poy
rixan ri xa’n ART SUB siehe ri und xan
rixapoy ri xaa poy ART PRT SUB siehe ri, xa und poy
rixetiovic ri x-e-ti’o-w-ik ART Kom-3pAbs-VTR-DerAps siehe ri und xetiovic
rizmal r-ismaal 3sErg-SUB sein Haar, seine Behaarung
rizmalvvach r-ismaal u-wach 3sErg-SUB 3sErgSUB siehe rizmal und vvach
ronohel r-onojel 3sErg-ADV alles, allgemein, generell
roo r-oo’ 3sErg-NUM fünfte(r/s)
rox r-oox 3sErg-NUM dritte(r/s)
roxlahuh r-oxlajuuj 3sErg-NUM dreizehnte(r/s)
rumal r-umaal 3sErg-REL-Kau durch ihn/sie/es
T T T
ta ta (1) KON, (2) PRT, (3) VTR (1) da, wann, als, daraufhin, indes, inzwischen, nachdem, und so, damit, so daß; (2) kann als Partikel ta(j) den Subjunktiv anzeigen; (3) Wortwurzel von ta’o "hören"
ta cal tak’-al POS-DerAdj stehend, aufgerichtet
tao ta’o VTR hören, bitten, fragen
taxebec ta x-e-b’ee-k PRT Kom-3pAbs-VIT-Mod siehe ta und xebec
taxtichic ta x-ti’ chic KON Kom-Ø-VTR-DerPss PRT siehe ta, xti und chic
tiic ti’-ik Ø-VTR-DerPss Aspektpräfix fehlt, Kontext zeigt aber inkompletiven Gebrauch: er/sie/es wird gebissen
U U U
utzbala utz b’a la’ ADJ PRT DEM "Gut ist nun dieses" = sehr gut, recht so, gut so, jawohl, meinetwegen
V V V
vach wach SUB Gesicht, Vorderseite, Oberfläche; kann auch als –wa vorkommen
vbeleh u-b’eleej 3sErg-NUM neunte(r/s)
vbi u-b’i’ 3sErg-SUB sein/ihr Name
vbic ub’ik DIR von hier nach dort, weg von hier
vbixic u-b’i-x-iik 3sErg-VTD-DerPss-DerSub sein Nennen, Sagen; sein Genannt, Gesagt werden
vcablahuh u-kab’lajuuj 3sErg-NUM zwölfte(r/s)
vcab u-kaab’ 3sErg-NUM zweite(r/s)
vcah u-kaaj 3sErg-NUM vierte(r/s)
vcahlahuh u-kajlajuuj 3sErg-NUM vierzehnte(r/s)
vchec u-ch’eek 3sErg-SUB sein/ihr Knie, Schienbein
vhulah u-julaaj 3sErg-NUM elfte(r/s)
vi wi PRT als satzordnendes Partikel
vinac winaq SUB Mensch
vlahuh u-lajuuj 3sErg-NUM zehnte(r/s), eigentlich steht bei mit der Ordinalzahl von zehn nur u-laj
vvacac u-waaqak 3sErg-NUM sechste(r/s) (Edmonson 1965: 141)
vvach u-wach 2sErg-SUB sein(e)/ihr(e) Gesicht, Vorderseite, Oberfläche; kann auch als –wa vorkommen
v vah xac u-wajxaaq 3sErg-NUM achte(r/s)
vvb wub SUB Blasrohr (Edmonson 1965: 92)
vvc wuuq NUM Ergativpronomen fehlt, Kontext und Morphologie zeigen aber Ordinalzahl an: siebte(r/s), vgl. auch vvcub
vvcub wuquub’ NUM sieben
vvcub came Vvcub Came SUB Eigenname: Vvcub Came
X X X
x x Kom Aspektpräfix für den Kompletiv, nur in Verbindung mit Verben zu gebrauchen
xa xaa PRT allein, nur, ausschließlich
xachuxol xaa chuxo’l PRT PRÄ siehe xa und chuxol
xahauax x-ajawax Kom-Ø-VTR es war notwendig
xahi xaji KON aber, während, wie auch immer
xahina xaji na[kii] KON INT siehe xahi und naqui
xalcat be xalq’at b’ee ADJ SUB kreuzende Wege
xan xa’n SUB Mücke, Schnake
xa vech xaa aw-eech PRT 2sErg-REL-PosBen/Dat allein Dein, allein Dir
xbalanque Xbalanque SUB Eigenname: Xbalanque
xbe x-b’ee Kom-Ø-VIT er/sie/es ging
xbetao x-b’ee ta’-o Kom-Ø-VIT VTR-Mod siehe xbe und tao
xcanai x-kanay Kom-Ø-VTR-DerPss es wurde ermittelt
xcha x-ch’a’ Kom-Ø-VIT er/sie/es sagte, sprach
xebe x-e-b’ee Kom-3pAbs-VIT sie gingen (weg)
xebec x-e-b’ee-k Kom-3pAbs-VIT-Mod sie gingen (weg)
xecah x-e-qaj Kom-3pAbs-VIT sie stiegen hinab, gingen hinunter
xechachi xeqaj chi VIT PRT siehe xecah und chi
xecalainic x-e-q’ala’(i)-n-ik Kom-3pAbs-VTD-DerAps-Mod sie waren es, die erschienen, (sich) offenbarten, zeigten (Edmonson 1965: 95), Wort ist eigentlich q’alah, <i> möglicherweise Schreibfehler
xeel x-e’-el Kom-3pAbs-VIT sie kamen heraus, verließen
xegha x-e-ch’a’ Kom-3pAbs-VIT sie sagten, sprachen
xeicou x-e’-iq’ow Kom-3pAbs-VIT sie gingen voraus, vorbei, hindurch, sie kamen heran
xeopon x-e’-opon Kom-3pAbs-VIT sie kamen an
xeoponic x-e’-opon-ik Kom-3pAbs-VIT-Mod sie kamen an
xeti x-e-ti’ Kom-3pAbs-VTR-DerPss sie wurden gebissen
xetiovic x-e-ti’-ow-ik Kom-3pAbs-VTR-DerAps-Mod sie waren es, die bissen
xgha x-ch’a’ Kom-Ø-VIT er/sie/es sagte, sprach
xghachic x-ch’a’ chik Kom-Ø-VIT PRT siehe xgha und chic
xghari x-ch’a’ ri Kom-Ø-VIT ART siehe xgha und ri
x ghavic x-ch’aw-ik Kom-Ø-VIT-Mod er/sie/es sagte, sprach
xibalba Xib’alb’a SUB Xibalba, Unterwelt, auch als Gentilicio gebraucht: Xibalbaner, die von Xibalba
xiquiripat Xiquiripat SUB Eigenname: Xiquiripat
xiquiritap Xiquiripat SUB Eigenname: Xiquiripat, nur einmal falsch geschrieben
xitiouic x(i)-ti’o-w-ik Kom-Ø-VTR-DerAps-Mod er/sie/es war es, der/die/das biß
xitiovic x(i)-ti’o-w-ik Kom-Ø-VTR-DerAps-Mod er/sie/es war es, der/die/das biß
xoc x-ok Kom-Ø-VIT er/sie/es trat ein, kam herein
xquetaam x-k-eta’am Kom-Ø-3pErg-VTD sie wußten es
xquibijh x-ki-b’ii-j Kom-Ø-3pErg-VTD-Mod sie sagten, äußerten, nannten es (zur Orthographie vgl. Dürr 1987: 43)
xquicut x-ki-k’ut Kom-Ø-3pErg-VTR sie zeigten, lehrten es, sie legten es dar
xquitac x-ki-taq Kom-Ø-3pErg-VTR sie schickten es
xquitio x-ki-ti’-o Kom-Ø-3pErg-VTR-Mod sie bissen es
xquiyicou x-k-(iy)-iq’ow Kom-Ø-3pErg-VTR?-DerAps sie waren es, die ihn durchschritten, überquerten, bei dem in Klammern gesetzten <iy> handelt es sich wahrscheinlich um eine euphonische Ergänzung und ein VIT wäre mit 3pErg flektiert
xquiz x-k’is Kom-Ø-VTR-DerPss es wurde vollendet, beendet
xquizach x-ki-sach Kom-Ø-3pErg-VTR sie vergaßen es
xti x-ti’ Kom-Ø-VTR-DerPss er/sie/es wurde gebissen
xtiic x-ti’-ik Kom-Ø-VTR-DerPss-Mod er/sie/es wurde gebissen
xucut xukuut SUB Ecke, Winkel
xughaxic x(u)-ch’a’-x-ik Kom-Ø-VTR-DerPss-Mod es wurde gesagt (vgl. Edmonson 1965: 19)
xumich x-u-mich’ Kom-3sErg-POS er/sie/es rupfte es aus
xuti x-u-ti’ Kom-3sErg-VTR er/sie/es biß es
Z Z Z
zaqui saqi ADJ weiß
zaquibe saqi b’ee ADJ SUB siehe zaqui und be
zivan siwaan SUB Schlucht

Das Partikel vi übernimmt eine Funktion für die Satzorganisation, nämlich wenn von der Grundwortstellung Verb – Objekt – Subjekt abgewichen wird, in diesem Fall wird das Partikel dem Verb nachgestellt. Da vi keinen semantischen Wert besitzt, und vor allem im Deutschen keine Entsprechung hat, bleibt es in der Übersetzung selbstverständlich unberücksichtigt.

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5. LITERATURVERZEICHNIS

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1989 The Hero Twins: Myth and Image. In: Kerr, Barbara & Justin (eds.): The Maya Vase Book, Volume 1. New York. S. 161-184.
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1997 K’ichee’-Achi. Grammatikübersicht und Vokabular. Mexicon Occasional Publications No. 4. Möckmühl.
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